LÉANDRE / PARKER
long bright summer
RougeArt
Joëlle Léandre (b), Evan Parker (ts, ss)

Ein Gipfeltreffen improvisierter Musikkunst ereignete sich bei „Les Estivals du Haut Calavon“ im französischen Viens. „Du musst immer bereit für das Unvorbereitete sein“, wird Léandre im Booklet zitiert, das ansonsten außer name dropping wenig Wissenswertes zu bieten hat. Wenn auch beide auf eine extrem reichhaltige (auch gemeinsame) Musikgeschichte zurückblicken können, besteht das wesentliche Ereignis, das in seinem Naturell immer ein flüchtiges ist, darin, was Léandre & Parker im Moment der jeweiligen Gegenwart leisten. Und das ist auch im vorliegenden Fall von erheblicher Bedeutung. Auf Basis ihrer Routine riskieren beide Beteiligten alles, weil sie vor keinen Konsequenzen sich fürchten müssen. Zugegeben, vielleicht nicht das letzte Hemd, aber das vorletzte steht stellenweise durchaus zur Disposition. Wie aus einem Guss kommunizieren die Gefäße Kontrabass und Saxofon durch das Medium der Musizierenden und umgekehrt. Inklusive Gänsehautfaktor (etwa am Ende von LBS #4 ) und im wenig überraschenden, wenn auch famosen lautmalerischen Stimmeinsatz Léandres im finalen LBS #8 . In Summe leuchtet ein langer, strahlender Sommer aus dieser Duo-Aufnahme, deren herausragendes Charakteristikum, neben dem solitären Spielvermögen beider, der Verzicht auf vertikale Verhältnisse ist.
felix