NI / Phenomenal World, Celeste Wien
Die Ottensheimer Ritter vom NI wurden vom Verein licht ins Wiener Celeste gebeamt, damit sie hier ihre jüngsten Quartettspiele treiben können. Drei Gitarren und ein Schlagzeug leisten, wie gewohnt, eine leger hingelegte Präzisionsarbeit, die sich nicht hinter etwa den Gitarrenquartett-Genüsslichkeiten eines Fred Frith anstellen müssen. In wechselndem Tempo zerlegt man wechselnde Temperamente, um sie wieder neu zusammenzufügen und mit Verve in die nächste Umlaufbahn zu schleudern. Ein phänomenales Konzert, das höchstens von der genialen Kostümierung überflügelt werden kann. Nach den gelben Ganzkörperkondomen vom letzten (oder vorletzten) Mal hat sich NI auf sattes Rot verlegt und allerlei molekülartige Konstrukte an diverse Körperpartien montiert. Sun Einstein trifft auf Albert Ra. Zauberhaft.

Apropos phänomenal: Die Erweiterung des seit gefühlten Ewigkeiten perfekt eingespielten Duos von Philipp Quehenberger & Didi Kern um den Feedback-Saxofonisten Michael Fischer verspricht nichts weniger als eine Phenomenal World. Stilistisch ändert das an den improvisierten, heiß geliebten Geniestreichen von Quehenberger/Kern nicht rasend viel. Außer dass sich halt die unverwechselbaren Sounds von Fischer, in denen er auch mit verfremdetem Stimmeinsatz nicht geizt, ins bekannte Geschehen ideal einfügt. Wunderbar – und ein willkommener Anlass, daheim wieder einmal die M.A.D.-Platte von Fischer und Kern mit dem Kontrabassisten Alessandro Vicard aufzulegen.
