Fire! Orchestra, Porgy & Bess Wien
Mats Gustafsson hat sein Fire! Orchestra für die aktuelle Tournee völlig neu formiert: 17 Mitwirkende, davon 10 Musikerinnen! Das Urteil des unvergessenen Peter Brötzmann in einem Interview über Mats Gustafsson („unser kleiner Macho“) wird dadurch ad absurdum geführt!
Vorwiegend junge, in unseren Breiten zum Teil (noch) unbekannte Klangkräfte entfachen ein regelrechtes, wie der Bandname schon verrät, Feuer im hervorragend besuchten Porgy & Bess. Zwei Geigen, ein Cello, drei Saxofone, zwei Trompeten, eine Posaune, ein Klavier, eine Tuba, ein Bass, zwei Schlagzeuge, zwei Sängerinnen und eine Turntablistin gruppiert Gustafsson um sich und stachelt sie zu phasenweise Gänsehaut erzeugenden Arrangements. Das ist jetzt ein Instrument zuviel, was daran liegt, dass Mariá Portugal nicht nur schlagwerkt, sondern auch einprägsam singt. … Ein ästhetisches und politisches Ausrufezeichen markiert am Ende der ersten Spielhälfte die orchestrale Interpretation eines ukrainischen Volkslieds. … Das Herz möchte einem aufgehen wie die Sonne nach einem grauen Wiener Herbsttag.

Im zweiten Set, das noch von einer Zugabe gekürt wird, klingt das feurige Orchester noch zusätzlich wie entfesselt, gipfelt sowohl in abstrakten als auch in konkreten und erst recht in hymnischen Momenten. Beweglichkeit und Intensität, Balance unterschiedlicher Gewichte, Konzentration und Grandezza, Arbeit, Sport und Spiel. Die Bigband spielt an diesem Abend alle Stückln.
Es wäre unfair, aus diesem unfassbaren Kollektiv Einzelleistungen hervorzuheben. Dennoch geraten die Beiträge von Mariá Portugal, sowohl an den Drums als auch vokal, von Mats Aleklint an der Posaune, der Trompeterin Lina Allemano, der Sängerin Sofia Jernberg, der Cellistin Emily Wittbrodt und der Turntablistin Mariam Rezaei besonders grandios. Schwer wiegt auch eine Komposition bzw. Impro-Anleitung von Mette Ramussen. In Summe ein Abend, der ohne Superlativ unmöglich zu bilanzieren ist: ein spätes Konzert des Jahres!