OLAF RUPP
berlin eiskeller
scatter archive / audiosemantics

„Bei der E-Gitarre mag ich die vielen Intermodulationen und Obertöne, die beim Overdrive entstehen. Und die Unabhängigkeit von Klang und Lautstärke“, erzählte Olaf Rupp in freiStil #95. Heftige, exklusiv an der E-Gitarre fabrizierte Improvisationen veröffentlicht nun das scatter archive aus Glasgow „nur“ als Download, aber als einem, der sich gleich haufenweise lohnt. Berlin Eiskeller erntet die Früchte der Elektrisierung, versehen mit etlichen Ober-, Unter- und Zwischentönen und hält vieles in der Schwebe, ein Unterschied gegenüber seinem Spiel an der akustischen Gitarre. Es schwebt über den Köpfen der mit offenen Ohren ausgestatteten Menschen und krallt sich in ihnen fest. Acht der neun Tracks sind französisch tituliert, manches davon vermag ordentlich zu rocken (celui de la cage de l’escalier), anderes verweigert marktübliche Etiketten, nur einer trägt einen Titel auf Deutsch, der namensgebende Berlin Eiskeller. Alle verfügen sie über eine gewisse Schärfe, die sich unwiderstehlich ins akustische Hirn graviert. Rupp erzählt Geschichten, die das Leben, parallel zum bislang bekannten, schreibt. Ein Universum, ein Kosmos, eine Utopie. Kurz gesagt: Keine:r bearbeitet das Stromruder wie er, ein Unikum, vage vergleichbar mit dem solitären Erzählstil des unlängst verstorbenen Dichters António Lobo Antunes, nur halt mit anderen Mitteln. Ein sonares Erlebnis.
felix