{"id":14020,"date":"2025-07-11T16:52:29","date_gmt":"2025-07-11T14:52:29","guid":{"rendered":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/?p=14020"},"modified":"2025-08-04T14:01:45","modified_gmt":"2025-08-04T12:01:45","slug":"schmankerltage-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/schmankerltage-2\/","title":{"rendered":"Schmankerltage"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">MMI Festival, M\u00fcnchen, 2. bis 4. Mai<\/h4>\n\n\n\n<p>Das Festival f\u00fcr \u201eImpro Music Con\u00adcerts\u201c (MMI) fand seit seiner Erstaus\u00adgabe 2016 heuer zum dritten Mal in M\u00fcn\u00adchen statt (neun Gigs an drei Tagen im Einstein Kulturzentrum, einem ehemaligen Bierkeller, der ansonsten von den Offenen Ohren bespielt wird und sich gleich neben der Unterfahrt befindet), zweimal hingegen war Barcelona der Austragungsort, was daran liegt, dass die Gr\u00fcnderin, Direktorin und Kuratorin Sophie Graber (sie programmierte zu\u00adsammen mit Alfonso Mu\u00f1oz), der einen Gro\u00dfteil des Jahres in Barcelona lebt, weshalb ein hoher Anteil spanischer Mu\u00adsiker:innen stets typisch f\u00fcr\u2019s MMI wa\u00adren und sind. Neben diesem Kriterium ist es insbesondere auch der Mix aus altgestandenen Heroen der freien Impro und (noch!) eher unbekannten Perfor\u00admern, der das MMI zu einem echten Schmankerl machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da brilliert etwa der Bariton- und Alt-Saxofonist Don Malfon, mit einer Viel\u00adzahl an D\u00e4mpfern und Deckeln hantierend, zusammen mit den gro\u00dfartigen, altgedienten Kapazundern Agust\u00ed Fer\u00adn\u00e1n\u00addez am Klavier, innen wie au\u00dfen, und Zlatko Kau\u010di\u010d an den pr\u00e4parierten Drums. Ausgehend von Demonstrations\u00adges\u00e4n\u00adgen und -parolen, die Kau\u010di\u010d per Smart\u00adphone einspielt, steigern sich die drei in einen Hochenergie-Flow, der an das In\u00adnere eines Maschinenraums gemahnt, aber auch subtile und konzentrierte Pas\u00adsagen mit klangexperimentellem Cha\u00adrakter umfasst, wie sie zuvor beim Duo John Butcher (Tenor- und Sopransax) und Vasco Trilla an der Percussion in Form reduzierter, exakter Sounderzeu\u00adgungen dominierten. In allen F\u00e4llen: Im\u00adpro at its very best.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dfergew\u00f6hnlich und beeindruckend ist auch der intensive Stepp- und Aus\u00addruckstanz von S\u00f3nia S\u00e0nchez, den sie auf ausgelegten Holzbrettern performt. Im zwischen laut-expressiv und subtil-meditativ changierenden Trio mit dieb13 an den Turntables und der fantastischen Jordina Mill\u00e0 am Klavier \u00fcberwiegt eher der sinnlich-\u00e4sthetische Charakter ihres Auftritts; im Zusammenspiel mit Pianist August\u00ed Fern\u00e1ndez und Luc\u00eda Mart\u00ednez an den erfrischend heftig gedroschenen Drums (nebst diversen Soundgadgets wie Plastikrohr und Plastikschl\u00e4ger) hingegen l\u00e4sst S\u00e0nchez\u2019 Stepptanz die Freakout-Passagen durch ihre prasselnden Soundkaskaden zum reinigenden Gewitter anschwellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Apropos Spitzendrummer:innen, die noch(!) nicht die Bekanntheit haben, die ihnen vom K\u00f6nnen her geb\u00fchrt: Joni Si\u00adgil bietet eine erheiternde, spektakul\u00e4re Show, bei der Schlagzeugbecken als Schaber und Schaufeln zweckentfremdet werden, in sie eingebohrte L\u00f6cher mit Holzst\u00e4ben best\u00fcckt und im Stil ei\u00adner singenden S\u00e4ge Verwendung finden und sogar eine mit Fingern zum kreischenden Quietschen gebrachte Billig\u00adplastikwinterjacke zum Einsatz gelangt. Zusammen mit John Butchers Gl\u00e4ser fast zum Platzen bringendem Sopransa\u00adxo\u00adfonhochfrequenzpfeifen und der st\u00fcrmischen Marta Warelis am Klavier wurden hier die Trommelfelle auf das Er\u00adbau\u00adlichste gereizt und Wonneschauer er\u00adzeugt. Letztere vermochte auch Marja Burchard, in der Nachfolge ihres Vaters Leiterin des legend\u00e4ren Krautrock- und Weltmusik-Ensembles Embryo, zu er\u00adzeugen, wenn sie, wie stets blendend gelaunt, mit bl\u00fchender Fantasie, mit Schl\u00fcsselbund, Alufolien, Stempeln und\u00adundund ihr Vibrafon nicht nur zum Vibrie\u00adren, sondern fast zum Platzen bringt, kongenial gerahmt von zwei teils antreibenden, teils Kontrapunkte setzenden Schlagzeugsets, namentlich bespielt von Zlatko Kau\u010di\u010d und Luc\u00eda Mart\u00ednez.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich w\u00e4ren hier alle der neun Gigs lobend zu erw\u00e4hnen, auch nat\u00fcrlich Christine Abdelnour am Altsaxofon, die mit Alex Reviriego (b) und Vasco Trilla (dr) spannungsreiche Klangtexturen webt. All in all: Welch ein erfrischendes Wochenende mit abwechslungsreicher State-of-the-art-Improkunst! Indes, und dieses Bedauern sei hier nicht verschwie\u00adgen: Drei Tage beste Musik, sehr gut besuchte Konzerte, Musiker aus N\u00e4her und Ferner \u2013 und dennoch kam keine echte Festivalatmosph\u00e4re auf, was freilich nicht am Veranstalterteam lag, sondern an den \u00f6rtlichen Begebenheiten des Einstein, dessen Bar bereits vor En\u00adde des letzten Konzerts schlie\u00dft und das selbst kurz danach zusperrt. Anyway: Hauptsache, n\u00e4chstes Jahr gibt\u2019s hoffentlich wieder ein MMI in MUC!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MMI Festival, M\u00fcnchen, 2. bis 4. 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