{"id":14393,"date":"2025-07-30T15:39:40","date_gmt":"2025-07-30T13:39:40","guid":{"rendered":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/?p=14393"},"modified":"2025-08-04T14:57:33","modified_gmt":"2025-08-04T12:57:33","slug":"das-ist-komponieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/das-ist-komponieren\/","title":{"rendered":"\u201eDas ist komponieren.\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Peter Ablinger<strong> (1959\u20132025)<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"565\" height=\"850\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/nachruf_120-peter_ablinger.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14394\" style=\"width:450px\" srcset=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/nachruf_120-peter_ablinger.jpg 565w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/nachruf_120-peter_ablinger-199x300.jpg 199w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/nachruf_120-peter_ablinger-43x64.jpg 43w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/nachruf_120-peter_ablinger-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 565px) 100vw, 565px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 Uli Templin \/ tuer7.com<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Neue Musik R\u00fcmlingen, etwa Mitte der 1990er Jahre: Der Aufbruch zum Konzert erfolgte um etwa 3 Uhr morgens, galt es doch zun\u00e4chst, einen Berg zu erklimmen. Oben angekommen, auf einem Hochplateau, war zun\u00e4chst gar nichts zu sehen, es war ja stockdunkel. Peter meinte aber in seinem Text zum \u201eKonzert\u201c, es sei zwar wissenschaftlich nicht erwiesen, aber dennoch eher wahr\u00adscheinlich, dass zum Zeitpunkt des Son\u00adnenaufgangs aus Richtung der Sonne ein ganz leichter Wind k\u00e4me, weswegen er in sechs Blument\u00f6pfen sechs kleine Bambuspflanzen in einer Reihe, zur Son\u00adne hin ausgerichtet, aufgestellt hatte. K\u00e4me nun also zur Sonnenaufgangszeit besagter Wind aus Richtung Sonne, w\u00fcrden die Bambusstauden ein kleines, eventuell kaum h\u00f6rbares, Rauschen von sich geben. Es war dann zwar an diesem Morgen aus unserer H\u00f6rposition kein Rauschen zu vernehmen (das mag aus anderen H\u00f6rpositionen durchaus anders gewesen sein), die Vorstellung aber, dass das so sein k\u00f6nnte, hat sehr wohl funktioniert. Die Institution \u201eKon\u00adzert\u201c solcherart zu hinterfragen, das scheint mir eine geradezu beispielhafte Versuchsanordnung, die sich quer durch Peter Ablingers Werk zieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Befragt wird da an anderer Stelle die Form des \u201eLiederabends\u201c, in Voices and Piano, wo eine Sprechstimme im Original via Lautsprecher erklingt und quasi simultan vom Pianisten in Klavier\u00adkl\u00e4nge \u00fcbersetzt wird. Bis hin zur gro\u00dfen Oper, wie jener in Graz oder der Landschaftsoper Ulrichsberg \u2013 wo es dann gleich um nicht weniger als die kreative Neudefinition der Musikform Oper geht. Ganz zu schweigen von der Reihe weiss\/weisslich, einer Vielzahl eher installativer Arbeiten, die per se schon ein wenig Abstand zur musikalischen Darbietungsform haben. Und all das immer begleitet von verbal penibel ausformulierten Texten und visuell un\u00adterst\u00fctzt von kleinen, skizzenartigen Zeichnungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ablinger hat das Musikmachen sehr weit gefasst, es zun\u00e4chst gewisserma\u00dfen von bestehenden Gewohnheiten be\u00adfreit und dann teils komplett neu aufgestellt. In diesem Sinne: \u201eDienst nach Vorschrift\u201c war ihm fremd. Ein st\u00e4ndiges kreatives Neudeuten und Neuhin\u00adter\u00adfragen von Musik, das war sein Bet\u00e4ti\u00adgungsfeld.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Akt 1 der Landschaftsoper, dem Arboretum, einem klingenden Baumgar\u00adten auf einer Anh\u00f6he nahe Seitelschlag in Ulrichsberg, ging es z. B. darum, 20 verschiedene Baumarten solcherart in bestimmten Abst\u00e4nden zu einem Weg zu pflanzen, dass sie, wenn sie dann in etwa 30 Jahren erwachsen sind, aufgrund ihrer verschiedenen Lautst\u00e4rken vom Weg aus in etwa gleicher Inten\u00adsi\u00adt\u00e4t zu h\u00f6ren sein werden. Zugleich ging es darum, die 20 B\u00e4ume so zu positionieren, dass sie von einem bestimmten, etwa 800 Meter entfernten Punkt in ei\u00adner Reihe in etwa gleichen Abst\u00e4nden aufgef\u00e4delt erscheinen. Akustisches und Visuelles werden hier also elegant verkn\u00fcpft. Mitten in den monatelangen Be\u00adm\u00fchungen rund um diesen Balanceakt meinte Ablinger einmal: \u201eDAS ist komponieren!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht vom 16. auf den 17. April 2025 ist Peter Ablinger verstorben. Es ist kein Jahr her, dass er mir von seiner ALS-Diagnose erz\u00e4hlte. Trotz all der damit verbundenen Tragik und sozusagen im Angesicht des nahenden Endes arbeitete er noch intensiv an der Siche\u00adrung seines k\u00fcnstlerischen Nachlasses. Einen guten Einblick in sein Schaffen bietet deswegen nach wie vor und wohl auch weiterhin seine Webseite ablinger. mur.at sowie, dank der Berliner Akade\u00admie der K\u00fcnste, das Peter-Ablinger-Archiv: archiv.adk.de\/bigobjekt\/30948.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Ablinger war ein freundlicher, liebensw\u00fcrdiger und humorvoller Mensch. Und auch wenn sein Werk nun gut do\u00adku\u00admentiert erhalten bleibt: Peter wird unendlich fehlen, in jeder Hinsicht, als K\u00fcnstler, als Mensch, \u2026 Ciao, Peter! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Ablinger (1959\u20132025) Neue Musik R\u00fcmlingen, etwa Mitte der 1990er Jahre: Der Aufbruch zum Konzert erfolgte um etwa 3 Uhr morgens, galt es doch zun\u00e4chst, einen Berg zu erklimmen. Oben angekommen, auf einem Hochplateau, war zun\u00e4chst gar nichts zu sehen, es war ja stockdunkel. 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