{"id":14690,"date":"2025-08-21T12:09:42","date_gmt":"2025-08-21T10:09:42","guid":{"rendered":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/?p=14690"},"modified":"2026-01-22T13:03:19","modified_gmt":"2026-01-22T11:03:19","slug":"kontrastreiche-kooperationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/kontrastreiche-kooperationen\/","title":{"rendered":"Kontrastreiche Kooperationen"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Visual Sound Outdoor Festival<\/h3>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Parzelle Dortmund, 14. bis 16 August<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/parzelle_angelica-laskowski-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14691\" style=\"width:0px\"\/><\/figure>\n\n\n\n\n\n<p>Nicht, dass es nicht zu erwarten gewesen w\u00e4re, aber ein so abwechslungsreiches, von durchwegs formidablen Konzerten getragenes Festival wie das diesj\u00e4hrige Visual Sound Outdoor Festival in der Dortmunder Parzelle ist ausdr\u00fccklicher Lobpreisung wert. Typisch f\u00fcr die kuratorisch-konzeptionelle Philosophie Angelika Hoffmanns sind symboltr\u00e4chtige Kontrastierungen, die aber letztlich jede klischeehafte Erwartung unterlaufen. Wenn etwa <strong>Hans Peter Hiby &amp; Camila Nebbia<\/strong> nebeneinander stehend ihre Saxofone zum Gl\u00fchen bringen, mag dies allein bildlich zun\u00e4chst ein paar Stereotype zu triggern: alter, maskuliner Haudegen und junge, aufstrebende Powerfrau. Indes: Da war keine Spur von wegen Animus und Anima, kein Yin &amp; Yang, vielmehr, wenn man denn so will, Gender Mainstreaming, und das nicht nur, weil Hiby meist das Alt-, Nebbia hingegen ein Tenorsax verwendet, was ja f\u00fcr sich schon dem Klischee zuwiderl\u00e4uft. Zwei Ausnahmek\u00f6nner auf Augenh\u00f6he, mit je eigenem Habitus und individueller Phrasierung, eh klar, aber keine Spur von Alt vs. Jung, von Mann vs. Frau, einfach nur Expressivit\u00e4t und Hingabe. Gerahmt werden die beiden vom souver\u00e4nen Altmeister <strong>Paul Hession<\/strong> an den Drums und der jungen Cellistin <strong>Julia Bilat<\/strong>, letztere zun\u00e4chst noch zur\u00fcckhaltend, fast sch\u00fcchtern anmutend, dann aber rechtzeitig eruptierend und den kollektiven Hochenergiestrom mitspeisend. Br\u00f6tz was in the house! Welch ein Spektakel!<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein Beispiel f\u00fcr eine zun\u00e4chst antithetisch anmutende Gegen\u00fcberstellung: <strong>Bill Elgart<\/strong> (\u00fc80) und <strong>Lily Finnegan<\/strong> (u30), seit Ken Vandermarks Projekt Edition Redux und dank vieler anderer Kollaborationen l\u00e4ngst auch in Europa keine Unbekannte mehr, liefern ein Drum-Duett, das gleichfalls nicht in einen Battle stereotyper Zuschreibungen m\u00fcndet, sondern sich zu einem gegenseitig inspirierenden und antreibenden, harmonischen Ganzen ausw\u00e4chst. Ihre Klasse, ihr treibendes, phasenweise sonores, immer konzentriertes und souver\u00e4nes Spiel konnte Finnegan zuvor bereits im Duo mit dem vitalen Bassklarinettisten Ziv Taubenfeld demonstrieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/parzelle_angelica-laskowski-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14691\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ang\u00e9lica Castell\u00f3. Foto: David Laskowski<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Andere Gegens\u00e4tze im vielschichtigen Line-up waren zum einen klassisch zu nennende Impro-Gigs mit namhaften Granden der Szene, etwa das hochsolide Quartett mit <strong>Ab Baars<\/strong> (ts, cl), <strong>Margaux Oswald<\/strong> (p), <strong>Onno Govaert<\/strong> (dr) und dem Projektinitiator <strong>Zev Taubenfeld<\/strong> (bcl): Klassische, technisch versierte Impro, wie man sie freilich (und erfreulicherweise) gut kennt. Auch elektronisch angelegte Performances gab es zu goutieren, namentlich die beiden Auftritte von <strong>Ang\u00e9lica Castell\u00f3<\/strong> mit Paetzold-Fl\u00f6te, Tape-Recorder und Elektronik, einmal solo, einmal zusammen mit experimentellem Gesang (<strong>Oona Kastner<\/strong>) und weiterer Elektronik (<strong>Ach Kuhzunft<\/strong>). Dann aber standen wieder gr\u00f6\u00dfere Formationen auf einer der drei B\u00fchnen, die ungew\u00f6hnliches boten: Etwa das Projekt <strong>Vehicle\/Passenger<\/strong> um den Spoken-Word-Artist Marc Alberto, der \u00fcberwiegend dunkle Lyrics intoniert, mitunter aber auch zum Saxofon greift und speziell in diesen Passagen zusammen mit Florian Herzog (b) und Lesley Monk (dr) spektakul\u00e4re Ausbr\u00fcche aus dem sonoren Sprechgesang erm\u00f6glicht. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, aber hier dr\u00e4ngten sich Analogien zu Moor Mother geradezu auf. Gleichfalls durch den Vokalpart charakterisiert ist die gro\u00dfartige Formation <strong>Brique<\/strong>, bei der Bianca Iannuzzi mit mehrsprachigen Ges\u00e4ngen zwischen Klassik, Chanson und Punk changiert und dabei kraftvoll, treibend, verspielt von Francesco Pastacaldi (dr), Luc Ex (b) und der wie stets bestens gelaunten Eve Risser (p) begleitet wird: Chapeau und langanhaltender Applaus!<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil wir gerade von jungen Units reden: Camila Nebbias Berliner Projekt <strong>The hanged one<\/strong> mit Julia Bilat (c), Andres Marino (e), Arne Braun (g), Lukas Akintaya (dr) und nicht zuletzt Vinicius Cajado (b) sorgten mit ihrem teils strukturiert-komponierten, dabei stets aber viel Raum f\u00fcr krawallige Outbreaks und Impropower lassenden Gig f\u00fcr allseitige Begeisterung.<\/p>\n\n\n\n<p>In den hocherfreulichen Reigen junger, hochbegabter Saxofonistinnen im Kontext Freie Musik und Impro reiht sich ein weiterer Name ein, sie war die Entdeckung des Festivals: <strong>Ornella Noulet<\/strong> brilliert am Tenor zusammen mit dem expressiven wie pr\u00e4zisen Drummer <strong>Egon Wolfson<\/strong>. Beseelt von John Coltrane, performen die beiden einen leidenschaftlichen, bei aller Vitalit\u00e4t aber auch gelassen-harmonischen Gig, da wird Sax-Ger\u00f6hre nicht zur selbstver\u00e4u\u00dfernden, gar selbstzweckhaften Pose, mit der manch andere zu beeindrucken verm\u00f6gen. Man wird noch viel von ihr h\u00f6ren und sehen!<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Fazit: Noch ist das Visual Sound Outdoor Festival ein Geheimtipp auf dem Festivalkalender, klein, aber sehr fein; und wenn das mit der Programmqualit\u00e4t so weitergeht, wird sich das freilich bald schon zu einem Pflichttermin im \u00fcblichen Festivalreigen mausern.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Visual Sound Outdoor Festival Parzelle Dortmund, 14. bis 16 August Nicht, dass es nicht zu erwarten gewesen w\u00e4re, aber ein so abwechslungsreiches, von durchwegs formidablen Konzerten getragenes Festival wie das diesj\u00e4hrige Visual Sound Outdoor Festival in der Dortmunder Parzelle ist ausdr\u00fccklicher Lobpreisung wert. 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