{"id":14911,"date":"2025-09-10T15:57:04","date_gmt":"2025-09-10T13:57:04","guid":{"rendered":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/?p=14911"},"modified":"2025-09-10T15:57:04","modified_gmt":"2025-09-10T13:57:04","slug":"frischer-wind-in-flandern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/frischer-wind-in-flandern\/","title":{"rendered":"Frischer Wind in Flandern"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Summer Bummer, Trix Antwerpen, 28. bis 30. August<\/h4>\n\n\n\n<p>Wieder einmal stellt sich die sattsam bekannte Frage: Wie ist es zu erkl\u00e4ren, dass es einerseits an jungen Talenten auf dem Feld des freien Jazz und der freien Impro nicht mangelt und fast auf jedem Festival neue Musiker und insbesondere Musikerinnen zu entdecken sind, auf die man sich in Zukunft oft noch freuen wird d\u00fcrfen, das Publikum dieser Veranstaltungen sich aber nicht in selbem Ma\u00dfe verj\u00fcngt und feminisiert? Dabei wird dieser Widerspruch beim Summer Bummer in Antwerpen und sein vergleichsweise junges und weibliches Publikums ohnehin nicht so deutlich wie anderswo, und dennoch f\u00e4llt er auf angesichts der stark vertretenen jungen Szene im ger\u00e4umigen, bestens geeigneten Kulturzentrum Trix (mit reichlich Besucherdelegationen aus Deutschland und auch \u00d6sterreich, okay: aus Wels).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"677\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/summer-bummer-1-1024x677.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14914\" srcset=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/summer-bummer-1-1024x677.jpg 1024w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/summer-bummer-1-300x198.jpg 300w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/summer-bummer-1-768x508.jpg 768w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/summer-bummer-1-64x43.jpg 64w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/summer-bummer-1.jpg 1351w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ava Mendoza, Sakina Abdou. Foto: Geert Vandepoele<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zur zehnten Festivalausgabe, die zum Jubil\u00e4um drei statt wie bisher nur zwei Tage umfasste, waren nat\u00fcrlich auch gestandene Kapazunder der Szene zu bewundern, etwa zum Finale <strong>Hamid Drake<\/strong> (dr) im sehr rockigen Duett mir <strong>Ava Mendoza<\/strong> (g), bei dem letztere so sehr die Dynamik vorantrieb, dass f\u00fcr Drakes \u00fcbliche Wortspenden diesmal kein Raum blieb, oder Paal Nilssen-Love, der sich im Rahmen von <strong>Amalie Dahl&#8217;s Dafnie Extended <\/strong>aber dezent im Hintegrund h\u00e4lt. Auch <strong>Rodrigo Amado<\/strong> am Tenorsax, der mit <strong>David Maranha<\/strong> an der Elektronik auf der kleinen B\u00fchne einheizt, ist kein Unbekannter. Weit mehr aber gab es an jungen Performern und an bisher unbekannten Projekten zu entdecken, schlie\u00dflich ist ein Markenkern des Summer Bummer, reichlich Neues und Ausgefallenes zu pr\u00e4sentieren. Man nehme etwa <strong>OTTO<\/strong>, das Perkussionstrio von Camille \u00c9maille (am Vortag bereits mir spektakul\u00e4rem Drum-Solo), Gabriel Valtchev und Pol Small, die mit umgeh\u00e4ngten Riesentrommeln eine imposante Rhythmussoundwall aufbauen, die das Publikum in mitschwingenden Beschlag nimmt (disgusting war hier freilich die demonstrative BDS-Propaganda qua T-Shirt, die f\u00fcr kritische Kommentare im Nachgang sorgte). Nicht minder unkonventionell: Das Duo <strong>Oei!<\/strong> Mit Katarin Raska an der estnischen Bagpipe und Villem Jahu an selbstzusammengebastelten electronics, die zusammen eine sehr vital-nosige Beschallung liefern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sakina Abdou<\/strong> ist eine weitere junge, hochtalentierte Saxofonistin, deren Werdegang man mit Spannung wird verfolgen d\u00fcrfen. Ob im lautstark-energiegeladenen Trio <strong>1984<\/strong> (Devise: \u201eMake 1984 fiction again!\u201c) mit Turntablistin Mariam Rezaei und Kobe van Cauwenberghe (g) oder im nicht minder gehaltvoll-vital-dr\u00f6hnenden Frauenpower-Quartet mit <strong>Farida Amadou<\/strong> (b), <strong>Ava Mendoza <\/strong>(g) und <strong>Heather Leigh<\/strong> (g): Die junge Franz\u00f6sin spielt unpr\u00e4tenti\u00f6s, macht keinen auf dicke Hose, wei\u00df aber an passender Stelle ihre Energie sehr gezielt und expressiv zu ver\u00e4u\u00dfern. Apropos female performance: Mit der Kontrabassistin Elsa Bergmann, der Drummerin Anna Lund und der Pianistin Lisa Ull\u00e9n wird im Trio <strong>Space<\/strong> auch eher traditionellem Jazz in Bestqualit\u00e4t die B\u00fchne geboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Vielfalt des Festivals geh\u00f6ren aber auch kammermusikalische S\u00e9ancen hochkonzetrierter, subtiler Musiken und Klangerforschungen mit transzendierender (mitunter auch im positiven Sinne einschl\u00e4fender) Wirkung wie beim Trio von <strong>David Toop<\/strong>, <strong>Ecka Mordecai<\/strong> und <strong>Christian Kobi<\/strong> oder dem meditativen Blasinstrumenten-Trio <strong>Zinc &amp; Copper<\/strong> (Robin Hayward, Elena Kakaliagou, Hilary Jeffery). Nicht zuletzt konnten Impro-Sets gew\u00fcrdigt werden, die ob ihrer unorthodoxen Instrumentierung und ihren diversen musikalisch-kulturellen Einfl\u00fcssen am ehesten als improvosierte Weltmusik charakterisiert werden k\u00f6nnen, etwa das mit musikalischen Sozialisationserfahrungen aus Beirut, Berlin und Kairo arbeitende Trio <strong>Marmalsana<\/strong> (Tony Elieh, Burkhard Beins, Maurice Louca) oder <strong>The Handover<\/strong> (Jonas Cambien, Aly Eissa, Andrew Nasser), die freie Musik mit traditionellen arabischen Tunes synthetisieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"750\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/summer-bummer-2-1-1024x750.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14922\" srcset=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/summer-bummer-2-1-1024x750.jpg 1024w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/summer-bummer-2-1-300x220.jpg 300w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/summer-bummer-2-1-768x563.jpg 768w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/summer-bummer-2-1.jpg 1220w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Brandon Lopez, Steve Baczkowski. Foto: Geert Vandepoele<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Noch was? Der circensische Auftritt der achtk\u00f6pfigen DaDa-Spektakel-Truppe <strong>Art Ensemble of Brussels<\/strong> und das furiose Er\u00f6ffnungskonzert, der Europapremiere der US-Amerikaner <strong>Steve Baczkowski<\/strong> (sax) und <strong>Brandon Lopez<\/strong> (b), die mit erfrischendem Freakout-Freejazz gleich mal den Weg f\u00fcr drei tolle Tage weisen, die sich weit \u00fcber die formidablen Konzerte hinaus auch von der sympathisch-famili\u00e4ren Atmosph\u00e4re und dem Drum &amp; Dran vor Ort speisen: Filme, Performances und Ausstellungen, Tontr\u00e4ger, Shirts, selbst gemachtes Essen, ein liebevoll gestaltetes Programmheft mit vielen Interviews. Das Einzige, das fehlt (und f\u00fcr Veteranen gerade \u00f6sterreichischer Festivals einen Kulturschock ausl\u00f6st), sind Afterparties, sattdessen verl\u00e4sst man als last man standing bspw. am zweiten Tag um halb ein Uhr morgens das Veranstaltungsgeb\u00e4ude nach Tresenschluss.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Summer Bummer, Trix Antwerpen, 28. bis 30. 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