{"id":15151,"date":"2025-11-22T15:54:02","date_gmt":"2025-11-22T13:54:02","guid":{"rendered":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/?p=15151"},"modified":"2025-11-23T11:36:49","modified_gmt":"2025-11-23T09:36:49","slug":"busch-singt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/busch-singt\/","title":{"rendered":"Busch singt"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading alignwide\" id=\"we-re-a-studio-in-berlin-with-an-international-practice-in-architecture-urban-planning-and-interior-design-we-believe-in-sharing-knowledge-and-promoting-dialogue-to-increase-the-creative-potential-of-collaboration\" style=\"font-size:20px;line-height:1.1\"><span style=\"color: #9a3625;\">BUSCH SINGT<\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Film von KONRAD WOLF (1935) + Materialien<\/p>\n\n\n\n<p>Edition Bodoni<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>2025 wurde der 100. Geburtstag des ostdeutschen Regisseurs Konrad Wolf mit diversen Retrospektiven gefeiert. Vergeblich suchte man allerdings die Sendung der sechsteiligen Fernsehserie <em>Busch singt<\/em>, seiner letzten Arbeit. Auch die kompakte Kinofassung blieb interessierten Kino- bzw. Musikliebhaber:innen leider verwehrt. Besagte Dokumentation \u00fcber das Leben des S\u00e4ngers Ernst Busch entstand 1982 in der DDR. Anhand seines Schicksals sollte die erste H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert werden. Ernst Busch selbst hatte von 1964 bis 1974 f\u00fcr seine <em>Chronik in Liedern, Kantaten und Balladen aus der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts<\/em> 226 Titel f\u00fcr das von ihm betreute Label Aurora aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mastermind der sich an dieser Chronik orientierenden Fernsehserie war der damals prominente Regisseur Konrad Wolf, der Sohn des schw\u00e4bischen Arztes und Schriftstellers Friedrich Wolf. Aus komplizierten rechtlichen Problemen war es letztlich Michael Rieger zu verdanken, wenigstens (leider nur) die Rechte f\u00fcr den dritten und f\u00fcnften Teil dieser Fernsehproduktion ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen. Die entsprechende DVD ist mit einem Begleitbuch erh\u00e4ltlich, mit einer Analyse des ersten Teils von J\u00fcrgen Schebera, der u.a. auch an der Hanns Eisler-Gesamtausgabe mitarbeitete. Ernst Busch war ja nicht zuletzt der bedeutendste Interpret der Lieder Hanns Eislers. Die beiden weiteren Essays stammen von dem eher als Liedermacher bekannten (Hans-Eckardt) Wenzel und von Carmen B\u00e4rwaldt, Konrads ehemaliger Regieassistentin.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/cover_dvd_busch-singt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15152\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/cover_dvd_busch-singt.jpg 720w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/cover_dvd_busch-singt-216x300.jpg 216w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der erste Teil der DVD nennt sich <em>1935 oder das Fa\u00df der Pandora<\/em>. Wolf wirft einen larmoyanten Blick auf dieses &#8222;scheinbar normale, unauff\u00e4llige Jahr in Deutschland&#8220;. Es ist keine Dokumentation im herk\u00f6mmlichen Sinn, sondern Wolf unterlegt Wochenschau- und Filmausschnitte mit 18 Liedern unterschiedlichster Autoren (Brecht, Tucholsky, K\u00e4stner, Becher, Mehring, Langhof u.a.), alle gesungen von Ernst Busch. In einem kurzen Ausschnitt einer Radiosendung ein paar Wochen nach Kriegsende berichten Busch und seine ehemalige Frau Eva kurz \u00fcber ihre musikalischen T\u00e4tigkeiten im holl\u00e4ndischen Exil. Aber letztlich verzichtet Wolf in diesem Filmteil auf jeglichen Kommentar. Diese Aufgabe \u00fcbernehmen die Lieder. So werden Aufnahmen von G\u00f6rings Hochzeit mit den <em>Moorsoldaten<\/em> und dem <em>K\u00e4lbermarsch<\/em> unterlegt; die Aufnahmen von Kriegsschiffen und dem deutsch-britischen Flottenabkommen werden vom <em>Seemannschoral<\/em> konterkariert; der <em>Gru\u00df an die Mark Brandenburg<\/em> begleitet Exerzier\u00fcbungen, rhythmische Gymnastik mit B\u00e4llen und ein paar kurze idyllische Impressionen von Brandenburg. Zu Aufnahmen vom Winterhilfswerk, einem Maitanz und einen vor dem Mikrofon sich windenden Goebbels l\u00e4sst Wolf Ernst Busch <em>Der erste Schritt vom rechten Weg<\/em> singen. Mit einer Ballszene, dem Lied <em>Ein Pferd klagt an (O Falladah, die du hangest!)<\/em> und dessen letzter Zeile &#8222;Sonst passiert euch was, was ihr nicht f\u00fcr m\u00f6glich haltet!&#8220; endet <em>1935<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Den zweiten Teil hat Wolf g\u00e4nzlich anders gestaltet. Er tritt selber vor die Kamera und berichtet mit Hilfe zweier von Busch besprochener Kassetten sowohl \u00fcber dessen Schicksal, angefangen von seiner Flucht aus Belgien, \u00fcber seine Internierung in Gurs, seinem erfolglosen Fluchtversuch in die Schweiz bis zu seiner Befreiung aus der Haftanstalt Brandenburg, aber auch \u00fcber sein eigenes, beginnend 1935, als er gemeinsam mit Ernst Busch, als Teil eines Kinderchors, auf der B\u00fchne des Gewerkschaftshauses in Moskau stand. Genau bei diesem Konzert war auch ein sp\u00e4terer russischer Soldat anwesend, der Busch auf seinem Weg nach Berlin erkannte und ihn deshalb nicht erschoss, sondern ihm Lieder vom damaligen Konzert vorsang. Busch selbst konnte zu diesem Zeitpunkt nicht singen, da er bei einem Bombentreffer in der Haftanstalt Moabit im Gesicht schwer verletzt worden war. Wolf hat das Kunstst\u00fcck vollbracht, ein Mitglied dieser russischen Patrouille zu finden und diesen ehemaligen Soldaten in seinem Film auftreten zu lassen. Er selbst h\u00e4tte Busch auf seinem Weg nach Berlin auch treffen k\u00f6nnen, Wolf war damals als Soldat der Roten Armee nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt. Schlie\u00dflich kommt auch der russische Lyriker Konstantin Simonow zu Wort, der sein Gedicht <em>Ein Deutscher (\u041d\u0435\u043c\u0435\u0446)<\/em> \u00fcber Ernst Busch vortr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Konrad Wolf hat die Fertigstellung des sechsten Teils seines Projekts nicht mehr erlebt. Er starb 56-j\u00e4hrig 1982 in Berlin. Busch war zwei Jahre zuvor gestorben. Seine letzte Rolle war die des Jovellanos in Konrad Wolfs Film <em>Goya \u2013 oder Der arge Weg der Erkenntnis<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUSCH SINGT Ein Film von KONRAD WOLF (1935) + Materialien Edition Bodoni 2025 wurde der 100. Geburtstag des ostdeutschen Regisseurs Konrad Wolf mit diversen Retrospektiven gefeiert. Vergeblich suchte man allerdings die Sendung der sechsteiligen Fernsehserie Busch singt, seiner letzten Arbeit. Auch die kompakte Kinofassung blieb interessierten Kino- bzw. Musikliebhaber:innen leider verwehrt. 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