{"id":15216,"date":"2025-12-03T19:57:36","date_gmt":"2025-12-03T17:57:36","guid":{"rendered":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/?p=15216"},"modified":"2025-12-03T19:59:03","modified_gmt":"2025-12-03T17:59:03","slug":"qualitaet-statt-quantitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/qualitaet-statt-quantitaet\/","title":{"rendered":"Qualit\u00e4t statt Quantit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">New Adits, Villa For Forest Klagenfurt<\/h3>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">19. bis 22. November<\/h4>\n\n\n\n<p>Sie sind nicht unterzukriegen! Trotz finanziell prek\u00e4rster Umst\u00e4nde hat das k\u00fcnstlerische Leitungsteam, die Pianistin Ingrid Schmoliner und der Elektroniker Matthias Erian, zusammen mit Denise Zaros vom Verein Innenhofkultur nebst dem unverw\u00fcstlichen Kulturhaudegen Reinhard Sp\u00f6ck zum bereits 15. Mal das kleine, fast schon intime, dabei umso reizvollere und athmosph\u00e4risch kaum zu toppende New Adits-Festival in Klagenfurt gestemmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, in fr\u00fcheren Ausgaben waren mehr Musiker:innen am Start, die meisten Programmpunkte, n\u00e4mlich acht von elf Konzerten (eines viel krankheitsbedingt aus, zudem gab es eine Jamsession und zwei Soundinstallationen) waren Soli, dazu zwei Duos und ein Trio. Aber Quantit\u00e4t war bei den New Adits nie das Kriterium, sondern die Qualit\u00e4t und Originalit\u00e4t des Gebotenen, wof\u00fcr es auch heuer wieder sch\u00f6ne Belege gab: <strong>Laura Pudelek<\/strong> mit Cello &amp; Electronics ist keine Violeta Garcia, die mit dieser Kombination oft einen heftig dr\u00f6hnenden Synthesizer zu ersetzen vermag, vielmehr steht hier das Saiteninstrument klanglich klar im Vordergrund. Die von ihr entfaltete subtil-feinsinnige S\u00e9ance vermag eine\/n zu transzendieren, ohne jedoch einzuschl\u00e4fern, daf\u00fcr ist die Klanglandschaft dann doch zu energiegeladen und komplex: kein Widerspruch!<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00e4ngst keine Unbekannten mehr und stets wieder h\u00f6rens- und sehenswert sind Emilie \u0160krijelj und Tom Malmendier alias <strong>Les Marquises<\/strong>. Erstere greift zun\u00e4chst gekonnt zu den Turntables, erzeugt ein Rattern und Scheppern, ein Rauschen und Dr\u00f6hnen, bevor sie wie gewohnt ihr Akkordeon als komplexen Klangk\u00f6rper nutzt und diesen entsprechend weit weniger per Tatstaur bespielt, als vielmehr darauf zu klopfen und zu h\u00e4mmern und \u00fcber die Oberschenkel in Schwingung zu versetzen. Kongenial begleitet von Malmendiers treibendem, variantenreichen Drumming, ergibt das den f\u00fcr das Duo charakteristisch laustark-noisigen, hypnotisch-mitrei\u00dfenden Flow: ein Highlight!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/new-adits_1-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15218\" style=\"width:478px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/new-adits_1-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/new-adits_1-300x300.jpg 300w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/new-adits_1-150x150.jpg 150w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/new-adits_1-768x768.jpg 768w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/new-adits_1-64x64.jpg 64w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/new-adits_1-540x540.jpg 540w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/new-adits_1.jpg 1434w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Laura Pudelek. Foto: ola queen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>agar agar<\/strong> (Martina Moro und Fabian Lanzmaier) nutzen das Zischen eines Sternwerfers als Soundtextur f\u00fcr ihr lebhaftes, elektroakustisches Set und lassen die f\u00fcr die 70er Jahre typischen psychedelischen Visuals in digitalem Gewand wieder aufleben, diesmal eben nicht mit Overhead-Projektor und Wasserfarben, sondern mit Beamer und Kamera, mit denen sie z.B. eine durch Beschallung zum vibrieren gebrachte Wasseroberfl\u00e4che stark vergr\u00f6\u00dfern und entsprechend entfremdet \u00fcbertragen. Aux contraire: <strong>Dora Donata Sammer<\/strong>, die mit ihrer Blockfl\u00f6te zun\u00e4chst barocke Musik einer hochkomplexen Partitur zum (aller)besten gibt, bevor sie mit einer Paetzold-Bassblockfl\u00f6te ein expressiv-lautstark-experimentelles Kontrastprogramm dagegensetzt: musikalische Dialektik at its finest!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vokalk\u00fcnstlerin <strong>Audrey Chen<\/strong> kennt man aus einer Vielzahl musikalischer Kollaborationen, in Klagenfurt performt sie solo und erzeugt bis zur physischen Ersch\u00f6pfung ein unfassbares Spektrum an Lauten, ein Schreien, Kr\u00e4chzen, Grunzen, Brummen, Zwitschern, das den H\u00f6rerinnen und H\u00f6rern durchs Mark geht. <strong>Etienne Nillesen<\/strong> hingegen erzeugt hypnotisch-sinusartige Sph\u00e4renkl\u00e4nge, indem er mit den stumpfen Enden zweier Mini-Drumsticks permanent konzentrisch \u00fcber die Snaredrum streicht und kratzt, ohne ein einziges mal darauf zu trommeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Geiste einer Minimal Music sensu Steve Reich beeindruckt das Trio <strong>Fri3ser<\/strong> aus der Schweiz, deren bunte, lebendige Klangfarben, aber auch Erinnerungen an das unvergessene Esbj\u00f6rn Svensson-Trio hervorrufen. Von diesen Newcomern wird man zweifellos noch einiges h\u00f6ren. <strong>Zahra Mani<\/strong> ist in London geboren, die Liebe freilich hat sie nach Leibnitz in die S\u00fcdsteiermark verschlagen, von wo aus sie mit ihrem E-Bass samt Laptop einen lebendig-lautstarken Dark Ambient kredenzt, der durch wirklich gelungene Visuals im Industrial-Style \u00fcberzeugt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sofern die F\u00f6rdermittel nicht zur G\u00e4nze gestrichen werden, wird es die New Adits auch 2026 wieder geben, dann aber, Stand heute, zum wohl letzten Mal in der charismatischen Villa For Forest, wo sich bis 2019 das Planungsb\u00fcro der unvergessenen Kunstperformance der Verwandlung des W\u00f6rthersee-Fu\u00dfballstadions in einen veritablen Wald befand und die seitdem als Homebase des grundsympathischen Vereins f\u00fcr Innehofkultur dient. Die historische Stadtvilla soll an Privatinvestoren ver\u00e4u\u00dfert und der k\u00fcnstlerischen Nutzung, f\u00fcr die sie wie geschaffen ist, entzogen werden. Ein Grund mehr, auch n\u00e4chstes Jahr dort aufzukreuzen \u2013 dank Koralmbahn r\u00fcckt Klagenfurt bis dahin ja auch deutlich n\u00e4her an Graz und Wien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>New Adits, Villa For Forest Klagenfurt 19. bis 22. November Sie sind nicht unterzukriegen! Trotz finanziell prek\u00e4rster Umst\u00e4nde hat das k\u00fcnstlerische Leitungsteam, die Pianistin Ingrid Schmoliner und der Elektroniker Matthias Erian, zusammen mit Denise Zaros vom Verein Innenhofkultur nebst dem unverw\u00fcstlichen Kulturhaudegen Reinhard Sp\u00f6ck zum bereits 15. 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