{"id":15268,"date":"2025-12-28T12:52:39","date_gmt":"2025-12-28T10:52:39","guid":{"rendered":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/?p=15268"},"modified":"2025-12-28T13:00:39","modified_gmt":"2025-12-28T11:00:39","slug":"alles-neu-im-advent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/alles-neu-im-advent\/","title":{"rendered":"Alles neu im Advent"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Serious Series<\/h2>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Exploratorium Berlin, 12. bis 14. Dezember<\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wer in Berlin nicht bis zum 31. Juli seinen F\u00f6rderantrag f\u00fcr n\u00e4chstj\u00e4hrige Veranstaltungen bei der \u201eSenatsverwaltung f\u00fcr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt\u201c, so hei\u00dft das mittlerweile, stellt, geht leer aus, man kennt da keine Gnade. Achim Kaufmann und Frank Gratkowski, die k\u00fcnstlerischen Leiter seit 2019, waren diesbez\u00fcglich entweder zu optimistisch oder schlicht unp\u00e4sslich, jedenfalls war die Fristvers\u00e4umnis der Grund f\u00fcr den letztj\u00e4hrigen Ausfall der Serious Series, dem eher kleinen, stets feinen Festival f\u00fcr Impro und progressiven Jazz, das seit 2010 immer kurz vor Weihnachten in Berlin stattfindet und bei dem sich im Publikum immer auch viele Berlin-based Musiker und Veranstalter finden, womit das ganze den Charakter einer Weihnachtsfeier der \u00f6rtlichen, bekanntlich \u00fcberaus gro\u00dfen Impro-Szene gewinnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Zwangspause waren einige Neuigkeiten zu verzeichnen: Das neue Kuratorenteam sind der Bassist Jan Roder und die Saxofonistin Anna Kaliza. Se stehen, neben besagtem Duo Kaufmann\/Gratkowski, in der Nachfolge von Uli Kemppendorff, Kathrin Pechlof und Christian Weidner. Zudem wurde die Location gewechselt: Von den Uferstudios mit dem charismatischen Reparatur- und Wartungsbecken im alten Stra\u00dfenbahndepot als Spielort im Wedding ging es jetzt in das Exploratorium im Kreuzberger Bergmannkiez, einen Konzertraum mit zwar formidabler Akustik, aber leider ohne B\u00fchne, was bei gut besuchter Veranstaltung die weiter hinten Sitzenden doch um manch visuellen Genuss bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir zur Sache: <strong>Evan Parker<\/strong> ist ein Verschw\u00f6rungssschwurbler der heftig-\u00fcblen Sorte. Wie die Zeitschrift Wire vor wenigen Jahren berichtete (man google: Wire, Parker, Conspiracy), lie\u00df Parker diesbez\u00fcglich nichts aus: Aids als Erfindung der Pharmaindustrie, von Corona ganz zu schweigen, 9\/11 nat\u00fcrlich ein Inside-Job usw.usf., die ganze Palette des antiaufkl\u00e4rerischen Contrarianism, inklusive Pro-Brexit, wie sie leider gerade auch in Kreativkreisen gar nicht so selten anzufinden sein soll. Dergleichen hatte zur Folge, dass Parker im Cafe Oto in London erst einmal eine Zeit lang gecancelt wurde, bevor man ihn anl\u00e4sslich des Peter Br\u00f6tzmann-Tribute im Februar &#8217;24 wieder einlud, unter der Voraussetzung freilich, sein Schwurbeln im Zaum zu halten und diskursive Gegenargumente zuzulassen. Die Notwendigkeit einer Trennung zwischen Person und Werk, pers\u00f6nlicher \u00dcberzeugung und k\u00fcnstlerischem K\u00f6nnen, so schwer es mitunter auch fallen mag, wurde auch im Exploratorium evident: Wie der 81-J\u00e4hrige im Duett mit dem Saxofonisten <strong>Peter van Bergen<\/strong> (Foto oben: Brian David Crawford) sein Sopransax zur Klangwaffe machte, war, im Wortsinn, atemberaubend: endlose, variantenreiche Klangkaskaden qua Zirkularatmung, kraftvoll-hochfrequente, erquickende Schallexzesse, die die Luft zum Vibrieren bringen, zu goutieren war hier das ganze Spektrum seines gro\u00dfen musikalischen K\u00f6nnens, demgegen\u00fcber selbst degoutante ideologische Uns\u00e4glichkeiten verblassen: Ovationen vom Publikum!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"669\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/serious-series2-669x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15270\" style=\"width:502px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/serious-series2-669x1024.jpg 669w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/serious-series2-196x300.jpg 196w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/serious-series2-768x1175.jpg 768w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/serious-series2-1004x1536.jpg 1004w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/serious-series2-1338x2048.jpg 1338w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/serious-series2.jpg 1427w\" sizes=\"(max-width: 669px) 100vw, 669px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Olaf Rupp. Foto: Brian David Crawford<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Parker war bekanntlich mit Paul Lovens zusammen der Dritte im Bunde der seit Ende der 60er traditionell j\u00e4hrlich im Advent unternommenen <em>Winterreise<\/em> des Trios von <strong>Alexander Schlippenbach<\/strong>, kreuz und quer durch Mitteleuropa. Zusammen mit <strong>Dag Magnus Narvesen<\/strong> (dr) <strong>Rudi Mahall<\/strong> (cl) war Schlippenbach zuletzt immer noch auf vorweihnachtlicher Achse, wenngleich in deutlich reduzierterer Form, was die Zahl der Auftritte anbelangt. Bei den Serious Series spielt er im Quartett mit <strong>Henrik Walsdorff<\/strong> (sax), <strong>Antonio Borghini<\/strong> (b) und <strong>Jan Leipnitz<\/strong> (dr) \u2013 und findet kein Ende. So vertieft in sein Spiel, so voller Konzentration und Freude, dass er nach jedem Set stets von Neuem ansetzt, was der Rest der Combo, aber auch das Publikum am sp\u00e4ten Sonntagabend zunehmend irritiert zur Kenntnis nimmt, nicht wagend, den Altmeister auf die Uhr zu verweisen oder ein Ende einzumahnen. So dehnt sich das weitgehend an Notation orientierte, nur in Ausnahmef\u00e4llen ins Freak-out m\u00fcndende Konzert, das man auch in der Kategorie Modern Jazz zuordnen k\u00f6nnte, so man wollte, auf fast zwei Stunden Spielzeit!<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Highlights der insgesamt neun Konzerte: <strong>Olaf Rupp<\/strong>s Solo mit Akustikgitarre nebst Pr\u00e4parationen, ein h\u00f6chstgradig hin- und mitrei\u00dfender, hypnotischer Flow, oder auch und keinesfalls zuletzt das Streichquartett <strong>Dara Strings<\/strong> mit Biliana Voutchkova, Joanna Mattrey&nbsp;(v), Isidora Edwards&nbsp;(c) und Vinicius Cajado&nbsp;(b), die eine herrlich lebendige, hingebungsvolle Performance abliefern: Zun\u00e4chst brauchen die vier noch etwas, um zueinander zu finden, aber danach war das hochkommunikative Miteinander nicht mehr aufzuhalten, vier junge Ausnahmek\u00f6nner:innen, die man in dieser Konstellation hoffentlich noch oft zu h\u00f6ren bekommen wird. Nachdem Kaluza\/Roder die Frist f\u00fcr F\u00f6rderantr\u00e4ge heuer nicht verpasst haben, stehen die Chancen f\u00fcr eine n\u00e4chstj\u00e4hrige Serious Series nicht schlecht, als Termin ist dann das erste Adventwochenende avisiert.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Serious Series Exploratorium Berlin, 12. bis 14. Dezember Wer in Berlin nicht bis zum 31. Juli seinen F\u00f6rderantrag f\u00fcr n\u00e4chstj\u00e4hrige Veranstaltungen bei der \u201eSenatsverwaltung f\u00fcr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt\u201c, so hei\u00dft das mittlerweile, stellt, geht leer aus, man kennt da keine Gnade. 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