{"id":15377,"date":"2026-01-27T18:23:22","date_gmt":"2026-01-27T16:23:22","guid":{"rendered":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/?p=15377"},"modified":"2026-01-27T18:23:23","modified_gmt":"2026-01-27T16:23:23","slug":"waermendes-in-eiseskaelte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/waermendes-in-eiseskaelte\/","title":{"rendered":"W\u00e4rmendes in Eisesk\u00e4lte"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3 Tage Jazz Saalfelden, 23. bis 25. J\u00e4nner<\/h2>\n\n\n\n<p>Der letztlich ja doch ganz \u00fcppige Reigen \u00f6sterreichischer Jazzfestivals startet seit 2016, mit der heuer neunten Ausgabe, in Saalfelden im Kulturzentrum Nexus in Gestalt der <em>3 Tage Jazz<\/em>. Der Name ist eine Hommage an die allererste Ausgabe des Internationalen Jazzfestivals im Jahr 1978, die damals unter gleichem Titel und im selben Schriftdesign angek\u00fcndigt war. Die Winterausgabe (acht Konzerte an drei Tagen) ist die kleine Schwester des l\u00e4ngst renommierten Hauptevents im August und hat mittlerweile auch eine andere Zielgruppe auf dem Schirm: weniger die eingefleischten Jazznerds und Afficionados im engeren Sinne, geschweige denn Freunde der h\u00e4rteren Impro-Gangart, sondern mehr Leute aus der Region und \u00fcberhaupt auch solche, die nicht Tag und Nacht Jazz h\u00f6ren. Die Grenzen zum Poppigen oder auch Weltmusikalischen werden da gern und bewusst flie\u00dfend \u00fcberschritten, aber das muss ja nichts Schlechtes sein, sofern die Qualit\u00e4t stimmt. Etwa beim <strong>S\u00e9l\u00e8ne Saint-Aim\u00e9 String Trio<\/strong>, das im letzten Jahr schon bei <em>Glatt &amp; Verkehrt<\/em> in Krems zu goutieren war. Saint-Aim\u00e9 am Kontrabass sch\u00f6pft aus dem kulturellen Fundus ihrer kreolischen Wurzeln und singt Lieder mit Bez\u00fcgen zu den Antillen, der Elfenbeink\u00fcste und Frankreich, alles jenseits folkloristischer Klischees. Ein beeindruckend lyrisch-harmonisches Konzert, zumal sie von Lina Belaid am Cello und Maelle Desbrosses an der Viola kongenial begleitet wird. Wohltuend, gerade in nicht nur jahreszeitlich bedingt eiskalten Zeiten!<\/p>\n\n\n\n<p>Imposant auch die Perkussionistin Anissa Nehari vom Trio <strong>M<\/strong><strong>\u0178<\/strong><strong>A<\/strong> mit L\u00e9o Jassef an Piano und Synthie sowie Robinson Khoury an Posaune, Synthie und Gesang: Meist mit der einen Hand die Drums mit einem Stick bearbeitend, w\u00e4hrend die andere Hand die zwischen die Beine geklemmte Handtrommel bespielt. Sie setzt der \u00fcber Strecken eher poppig-verspielten Melange aus Jazz und libanesisch-arabischen Sounds dann doch noch ein i-T\u00fcpfelchen auf. Nicht minder erbaulich: die charismatische und vor allem hochtalentierte polnische Pianistin <strong>Joanna Duda<\/strong> (Foto oben: Michael Gei\u00dfler), die zusammen mit dem Bassisten Jort Terwijn und Michael Bryndal an den Drums eine erfrischende, kurzweilige Session aus Komponiertem und Improvisiertem bestreitet und von lebhaft und laut bis konzentriert-elegisch ein breites Spektrum an Tunes auff\u00e4chert. Dass charismatische Erscheinung alleine zu wenig ist, zeigt freilich das Quartett <strong>ADHD<\/strong> aus Island: Die vier Originale wirken wie aus einem Aki Kaurism\u00e4ki-Film entsprungen, ihr jazzrockiger Sound ersch\u00f6pft sich aber oft im Banalen, speziell wenn Oskar Gudjonsson sein Tenorsax in einem verschwurbelt-schw\u00fclstig-hallenden Sound tr\u00f6tet, der an Filmmusiken einschl\u00e4giger Filmgenres der 70er erinnert. Aber anyway: Das Publikum zeigt sich begeistert, Zugabe wird gefordert und gegeben!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"538\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/SofiaLabropoulouChristianReiner_BergbauGotikmuseum_25012026_byMichaelGeissler-7-1024x538.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15379\" srcset=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/SofiaLabropoulouChristianReiner_BergbauGotikmuseum_25012026_byMichaelGeissler-7-1024x538.jpg 1024w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/SofiaLabropoulouChristianReiner_BergbauGotikmuseum_25012026_byMichaelGeissler-7-300x158.jpg 300w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/SofiaLabropoulouChristianReiner_BergbauGotikmuseum_25012026_byMichaelGeissler-7-768x403.jpg 768w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/SofiaLabropoulouChristianReiner_BergbauGotikmuseum_25012026_byMichaelGeissler-7-1536x806.jpg 1536w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/SofiaLabropoulouChristianReiner_BergbauGotikmuseum_25012026_byMichaelGeissler-7-2048x1075.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sofia Labropoulou, Christian Reiner. Foto: Michael Gei\u00dfler<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zum dritten mal fand der Opener des Winterfestivals in der Stadtpfarrkirche statt. Als der diensthabende Pfarrer erstmals angefragt wurde, ob er seine Kirche als Klangraum zur Verf\u00fcgung stellen w\u00fcrde, war dessen Antwort in dessen eigenen Worten: \u201eWenn es w\u00fcrdevoll ist!\u201c Diesbez\u00fcglich mussten sich <strong>Vincent Courtois<\/strong> am Cello und <strong>Colin Vallon<\/strong> am Fender Rhodes nichts nachsagen lassen: Ein einnehmend konzentriert-komplexes Spiel, eher Klassik oder neue Musik als Jazz, variantenreich am Cello und mit teils psychedelisch anmutenden Tastatur-Klangspiralen. (Bleibt freilich die j\u00e4hrliche Frage, wieso bei klirrendem Frost ein Konzert in der Eistruhe der Kirche stattzufinden hat, Akustik hin oder her. Immerhin gab es Taschenw\u00e4rmer als Geschenk und vor der T\u00fcr gratis Gl\u00fchwein!)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Lautpoet <strong>Christian Reiner<\/strong> ist gern gesehener Gast in Saalfelden, unvergessen sind seine Performances in einer Waldlichtung oder in der Buchdruckerei im Rahmen des Sommerfestivals. F\u00fcr die Winterausgabe holt er sich Inspiration bei einem Streifzug durch die sonnt\u00e4gliche Spielst\u00e4tte, dem Leoganger Bergbau- und Gotikmuseum. Seine spontanen, zwischen Dada, Lettrismus und rhythmischer Spoken-Word-Performance changierenden Wort- und Klangstr\u00f6me fallen hier \u00fcberraschend d\u00fcster aus, erst ein peinliches, lautes Telefonklingeln im Publikum ermuntert ihn zu seiner gro\u00dfen St\u00e4rke: der spontanen Reaktion auf situative Trigger. Begleitet wurde er von <strong>Sofia Labropoulou<\/strong> an der pr\u00e4parierten Kanun, einer nordafrikanisch-nah\u00f6stlichen Kastenzither, mit der sie die Performance fast meditativ und passgenau begleitet. Summa summarum: Manch erw\u00e4rmendes im tiefsten Winter, man freut sich dennoch auf das Jazzfestival im August.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3 Tage Jazz Saalfelden, 23. bis 25. J\u00e4nner Der letztlich ja doch ganz \u00fcppige Reigen \u00f6sterreichischer Jazzfestivals startet seit 2016, mit der heuer neunten Ausgabe, in Saalfelden im Kulturzentrum Nexus in Gestalt der 3 Tage Jazz. 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