{"id":15389,"date":"2026-02-06T21:15:57","date_gmt":"2026-02-06T19:15:57","guid":{"rendered":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/?p=15389"},"modified":"2026-03-28T17:23:44","modified_gmt":"2026-03-28T15:23:44","slug":"im-underground","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/im-underground\/","title":{"rendered":"Im Underground"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">klingt.org-Festival<\/h2>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Theater am Werk, Wien, 31. J\u00e4nner<\/h4>\n\n\n\n<p>Am letzten Tag im J\u00e4nner 2026 j\u00e4hrt sich das klingt.org-Festival zum 26. Mal \u2013 und ist damit, wie wir in der Einmoderierung erfahren \u2013 exakt halb so alt wie der klingt.org-H\u00e4uptling Dieter Kova\u010di\u010d aka dieb13. Solche Zuf\u00e4lle gibt&#8217;s halt, wie auch damals das 50. freiStil-Heft genau zum 50er des Herausgebers. Eh wurscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Allein die beiden Solokonzerte waren den Besuch der Festivit\u00e4t im Theater am Werk am Wiener Petersplatz wert, passenderweise in den zwei S\u00e4len im Untergeschoss bzw. im Underground:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_klement-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15401\" srcset=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_klement-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_klement-300x200.jpg 300w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_klement-768x512.jpg 768w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_klement-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_klement-64x43.jpg 64w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_klement-540x360.jpg 540w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_klement-1440x960.jpg 1440w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_klement.jpg 1620w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Katharina Klement. Foto: Lisbeth Kova\u010di\u010d<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ge\u00fcbten freiStil-Leser:innen, und nicht nur ihnen, wird nicht entgangen sein, dass ausnahmslos jedes Konzert von <strong>Katharina Klement<\/strong> einen Fixplatz in der Champions League der improvisierten Musik innehat. So auch an diesem Abend, wenn sie offiziell an der Zither operiert, de facto aber im Vorfeld Elektronik-Sounds in den \u00c4ther schickt, die weder an Raffinesse noch an Radikalit\u00e4t W\u00fcnsche offen lassen. Zartes, Hartes und Rhythmisches wechseln einander flie\u00dfend ab, bevor sie am Ende des Sets doch noch die Zither in Beschlag nimmt, um daraus au\u00dfergew\u00f6hnliche Kl\u00e4nge zu entwickeln. Vom Dritten Mann zur Ersten Frau, sozusagen. Ein Ereignis f\u00fcr alle akustischen Sinne.<\/p>\n\n\n\n<p>Annh\u00e4hernd Gleiches gilt f\u00fcr die l\u00e4ngst in Berlin lebende Amerikanerin <strong>Liz Allbee<\/strong>, die ihr Trompetenspiel \u00fcber die Jahre um alles M\u00f6gliche und manches Unm\u00f6gliche erweitert hat: um diverse Mundst\u00fccke, um elektronische Verfremdungen und um die Stimme, mit der sie Geschichten zumeist nahe am Abgr\u00fcndigen ansiedelt. Spielweisen, Spiegelungen und Zuspielungen b\u00fcndelt sie zu einem komplexen Konglomerat, das sich aus einfachen, einfach zu erlebenden Bestandteilen summiert, um nicht zu sagen quadriert. Ein Kraftakt, der sich von Selbstgewissheiten so weit wie m\u00f6glich distanziert. Ph\u00e4-no-me-nal!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_allbee-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15399\" srcset=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_allbee-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_allbee-300x200.jpg 300w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_allbee-768x512.jpg 768w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_allbee-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_allbee-64x43.jpg 64w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_allbee-540x360.jpg 540w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_allbee-1440x960.jpg 1440w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/klingt-org_122_allbee.jpg 1620w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Liz Allbee. Foto: Lisbeth Kova\u010di\u010d<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Schweiz-Franz\u00f6sische Elektronikfreundschaft von <strong>Gaudenz Badrutt &amp; eRikm<\/strong> (zweiterer teilweise am vermeintlichen Theremin) treibt unter dem Namen <em>Ball&#8217;s Pyramid<\/em> allerlei bunte Bl\u00fcten. Der erheblichen Meisterschaft der beiden ist es zu verdanken, dass digitale Fabrikationen einen k\u00f6rperlichen, ja performativen Mehrwert generieren. Heftigkeit und Eleganz, Arbeit und Anmut, H\u00e4rte und Brillanz sind nur einige von mehreren Attributen, die dieses Duo auszeichnet und ihren Auftritt von den ersten bis zu den letzten Clicks zum Erlebnis macht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>M\u00f6str\u00f6m<\/strong> (Foto oben: Lisbeth Kova\u010di\u010d), das sind bekanntlich Elise Mory an den Keys, Tamara Wilhelm an Electronics und Susanna Gartmayer, diesmal nicht nur an der Bassklarinette, sondern, selten genug, phasenweise mit deftigem (Bulbul-)Mundartgesang, bestreiten an diesem Abend nicht nur ein Comeback nach vielen Jahren, sondern nach eigener Verlautbarung auch gleich ihr allerletztes Konzert.&nbsp;Letztmals also die gelungene, weil spannungsreiche Konstellation eines analogen, ausdrucksstark gespielten Holzblasinstruments, gerahmt von noisig-schr\u00e4gen Elektrosounds. Sehr schade w\u00e4r&#8217;s, wenn\u2019s wirklich bei der Aufl\u00f6sung bliebe!<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem (scharf nach Michael Jackson riechenden) Projekttitel <em>Bi-li-chin<\/em> fungiert das Duett der Elektro- und Synth-Mastermindin <strong>Billy Roisz<\/strong> mit der Taiwanesischen Sheng-Spielerin <strong>Li-chin Li<\/strong>. Es handelt sich dabei um eine traditionelle chinesische Mundorgel, die von weitem aussieht wie eine Miniaturvariante von Pieter Brueghels <em>Der Turmbau zu Babel<\/em>. Jedenfalls erzeugt das einen erfrischend schrillen, teils an hochfrequente Akkordeonkl\u00e4nge erinnernden Sound (die Sheng gilt auch als \u00e4ltester Urahn der Harmonikainstrumente), der unter die Haut geht und mit Roisz&#8216; elektroakutisch-noisigem Gewaber und Geknatter bestens korrespondiert!<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich immer schon gewundert hat, weshalb etwa in dem Film <em>Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn<\/em> weder besagtes Monster noch sein Erschaffer vorkommen, wird beim furiosen Abschlusskonzert aufgekl\u00e4rt: Vokalvirtuose <strong>Christian Reiner<\/strong> f\u00fchrt mit charimsatischer Sprecherstimme durch die Kulturgeschichte der legend\u00e4ren Godzilla-Filme seit 1955, sobald dann auf der Gro\u00dfleinwand ein Worst-of der einschl\u00e4gigen K\u00e4mpfe Godzillas mit Mensch und anderem Getier zu bewundern ist, wechselt er von der Rolle des Vortragenden in die des Soundperformers und begleitet&nbsp; die epischen Szenen mit gehaltvollem Kreischen, Schreien, Murmeln und dadaeskem Gebrabbel. Unterst\u00fctzt wird er hierbei von <strong>Kasho Chualan<\/strong> am Klavier, die sich situativ und intuitiv stets gelungen ins Geschehen einklingt, von <strong>Didi Kern<\/strong>, der ohne Drumset, daf\u00fcr mit diversen Gegenst\u00e4nden und Pr\u00e4parationen, teils im Stehen, teils im Knien, perkussioniert, w\u00e4hrend <strong>Daniel Lercher<\/strong>, <strong>Tamara Wilhelm<\/strong> und <strong>Philip Leitner<\/strong> an elektronischen Ger\u00e4tschaften das trashige Spektakel, etwa Godzillas Infight mit einer Riesenmotte, mit noisigem Rauschen, Knattern und Pfeiffen untermalen. Zusammen nennen sie sich <em>Kaiju Kaiju<\/em> und h\u00e4tten allemal eine Auszeichnung f\u00fcr die musikalische W\u00fcrdigung eines traditionellen cineastischen Kulturguts verdient. Allerbeste Unterhaltung, akustisch wie visuell.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Bernd Lederer \/ Andreas Fellinger<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>klingt.org-Festival Theater am Werk, Wien, 31. J\u00e4nner Am letzten Tag im J\u00e4nner 2026 j\u00e4hrt sich das klingt.org-Festival zum 26. Mal \u2013 und ist damit, wie wir in der Einmoderierung erfahren \u2013 exakt halb so alt wie der klingt.org-H\u00e4uptling Dieter Kova\u010di\u010d aka dieb13. 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