{"id":51,"date":"2025-07-11T15:42:05","date_gmt":"2025-07-11T13:42:05","guid":{"rendered":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/?p=51"},"modified":"2025-08-04T13:34:30","modified_gmt":"2025-08-04T11:34:30","slug":"platz-im-kopf-freischaufeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/platz-im-kopf-freischaufeln\/","title":{"rendered":"Platz im Kopf freischaufeln"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Wiener Musikerin und Kulturarbeiterin <\/strong>Sara Zlanabitnig<strong> erz\u00e4hlt im freiStil-Interview unter anderem von ihren Zu\u00adg\u00e4ngen zu und Aus\u00fcbungen von ihren beiden Professionen, von Fl\u00f6tent\u00f6nen, neuen Gruppierungen, von Werner Korn und ihrer Liebe zu Lateinamerika.<\/strong><\/h5>\n\n\n\n\n<figure class=\"is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/femmes_120-zlanabitnig1-1024x576.jpg\" alt=\"Sara Zlanabitnig\" \/>\n<figcaption>Foto: ola queen<\/figcaption>\n<\/figure>\n\n\n\n\n<p><strong>Sara, als Solofl\u00f6tistin durfte ich dich im Hotel Pupik von Schratten\u00adberg erleben. Die Mischung aus Im\u00adprovisation, Experiment und Elektro\u00adnik hat mich sehr beeindruckt. Nach welchen Kriterien legst du so ein Solo an? Und hat sich daran seit fr\u00fcheren Tagen eine frappante Ver\u00e4n\u00adde\u00adrung ergeben?<\/strong><br>In meinen Solo-Studien geht es mir darum, der Fl\u00f6te T\u00f6ne zu entlocken, die nicht schon tausende Male geh\u00f6rt worden sind. Ich versuche das in erster Li\u00adnie anhand von false fingerings, also un\u00adkonventionellen Griffkombinationen. Sehr gern verwende ich dabei auch die beiden Trillerklappen und kombiniere diese mit schnellen Bewegungen. F\u00fcr gew\u00f6hn\u00adlich nehme ich mich dabei auf und verwende ausgew\u00e4hlte Passagen in weiterer Folge als Samples. Grundlegend ge\u00adf\u00e4llt mir das Prinzip von sich schleichend ver\u00e4ndernden Wiederholungen, und im Lauf der Jahre bin ich immer mehr da\u00advon abgekommen, Live-Elektronik in Form von Effektpedalen einzusetzen, da mich der pure (durch extended techniques beeinflusste) Fl\u00f6tenklang interessiert. Um dabei zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen, bin ich nat\u00fcrlich auf gut klingende R\u00e4ume \u2013 oder ei\u00adne mit der Materie vertrauten Tontech\u00adnik \u2013 angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Akustik und den r\u00e4umlichen Bedingungen steht und f\u00e4llt das Poten\u00adtial meiner Musik. Auf diese Art und Wei\u00adse arbeite ich nun schon seit Ab\u00adschluss meines (Jazz-)Studiums in Linz 2016, allerdings komme ich nur im Schne\u00adcken\u00adtempo voran, da mich meine organisatorischen und kuratorischen T\u00e4tigkeiten \u00fcber weite Strecken davon abhalten, den daf\u00fcr erforderlichen Platz im Kopf frei zu schaufeln. Davor galt es, einen langen Weg zu beschreiten \u2013 von der klassischen Fl\u00f6tenpraxis \u00fcber Song\u00adwriting und Lagerfeuermusik, den Wie\u00adner Balkan\u00adboom, brasilianische Musik bis hin zu Technoversuchen \u2013, um dort zu landen, was du in etwa in Schratten\u00adberg geh\u00f6rt hast. Das Instrument fordert mich im\u00admer wieder heraus, es lieb zu haben. Es gilt, das Instrumentarium st\u00e4ndig zu er\u00adweitern, um es f\u00fcr mich selbst spannend zu erhalten. Voriges Jahr habe ich mir endlich eine Bassfl\u00f6te zugelegt \u2013&nbsp;und zwar jene von keiner Ge\u00adringeren als Cor\u00addula B\u00f6sze. Da macht das Fl\u00f6tenleben dann wieder Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du agierst nat\u00fcrlich auch zusammen mit anderen. Das j\u00fcngste Bei\u00adspiel d\u00fcrfte die Band mulm sein, die du zusammen mit Richard Herbst und Stephan Roiss, zwei auch f\u00fcr dieses Magazin wichtigen Pers\u00f6n\u00adlich\u00adkeiten, betreibst. Wie kann ich mir eure Musik ungef\u00e4hr vorstellen?<\/strong><br>Ich habe immer am liebsten mit an\u00adderen zusammen agiert! \u00dcber den ersten Solo-Auftritt habe ich mich zugegebenerma\u00dfen erst im Sommer 2022 im Rahmen der Klangmanifeste in Linda\u00adbrunn getraut, das war auch das Jahr, in dem ich mein erstes Soloalbum bei smallforms released habe. Aber genau, eines der j\u00fcngsten Bandprojekte ist de\u00adfinitiv mulm. Stephan und mich verbindet eine \u00fcber 20-j\u00e4hrige und besondere (Brief-)Freundschaft, Richie und er kennen sich auch schon eine Ewigkeit \u00fcber die Linzer Musikszene. Und als Richie und ich uns vor ein paar Jahren kennen- und m\u00f6gen gelernt haben, war es aufge\u00adlegt, etwas Gemeinsames anzudenken. Wir geh\u00f6ren zu der seltenen Sorte von Musikprojekten, die zuerst einmal eineinhalb Jahre in Form von Klausuren (bei\u00adspielsweise bei Minigolf auf der Do\u00adnau\u00adinsel und in der Freudenow im Pra\u00adter) \u00fcber die zu kommende Musik und die damit einhergehenden Aktionen be\u00adraten und Pl\u00e4ne schmieden, bevor die ersten Konzerte (nat\u00fcrlich unterprobt) gespielt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsame Termine zu finden, ist ganz sch\u00f6n schwierig, da wir in drei ver\u00adschiedenen St\u00e4dten wohnen \u2013&nbsp;Graz, Linz, Wien \u2013&nbsp;aber wir haben mit den goon-Studios am Linzer P\u00f6stlingberg eine homebase bei Freunden, da treffen wir uns gern zum Kochen, Abh\u00e4ngen, Bier trinken und zwischendurch Proben und Aufnehmen. Alle machen gewisserma\u00dfen ihr Ding, Stephan kreiert bedacht bis exzentrisch W\u00f6rter\/Sprache unter Einbeziehung von der Ger\u00e4uschkulisse loser Objekte, Richie sch\u00fcttelt seine charmanten Synth-Drones aus dem \u00c4r\u00admel, und ich steuere meine Fl\u00f6ten\u00adexpe\u00adrimente bei und mische bisweilen field recordings per Sampler unter diesen mulmigen Sound. Fr\u00f6sche (bzw. Kaul\u00adquappen, ihr Vorstadium) zum Beispiel sind irgendwie zu sowas wie unserem Maskottchen geworden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Andere Kooperationen brachten dich u. a. mit gischt, mit Jaka Berger und Ilia Belorukov zusammen. Und an einem \u201eBl\u00f6den Dritten Mittwoch\u201c bist du mit Instrumentalkollegin Cor\u00addula B\u00f6sze als Duo \u201eVon B bis Z\u201c auf\u00adgetreten. Erz\u00e4hlst du uns etwas \u00fcber diese und eventuell auch andere Kon\u00adstellationen?<\/strong><br>Die beiden Kollaborationen mit Jaka Berger und Ilia Belorukov \u2013&nbsp;mit denen beiden letztes Jahr ein Release entwach\u00adsen ist \u2013&nbsp;sind dem vom serbischen Kul\u00adturverein kuda organisierten Festival <em>In Opposition<\/em> in Novi Sad entsprungen, bei dem wir im Juni 2023 als echoraum-Team eingeladen waren. Es gab dort allabendliche Sessions, und nach einer da\u00advon hat mich Jaka gefragt, ob ich mal Lust h\u00e4tte, seine Snaredrum mit meiner Fl\u00f6te zu triggern. Gesagt, getan. Wir ha\u00adben uns im darauffolgenden Herbst in seinem Homestudio am Land in der N\u00e4\u00adhe von Ljubljana getroffen und Material aufgenommen, das wir am Ende als ver\u00ad\u00ad\u00f6ffentlichungsw\u00fcrdig erachteten. Wir ha\u00adben uns nach dem n\u00f6rdlichsten Wald\u00adtypus der Erde <em>Taiga<\/em> getauft und mithilfe von Richie und Interstellar Records hundert sch\u00f6ne Platten fabriziert. Der Sound ist sehr kontemplativ ausgefallen und passt zum winterlichen Erschei\u00adnungs\u00ad\u00adbild des Albums. Eine slowenische Re\u00adzension hat uns mit Andr\u00e9 3000 verglichen, sehr lus\u00adtig!<\/p>\n\n\n\n<p>Ilia Belorukov hat mich letztes Jahr gefragt, ob ich mit ihm eine Kurz-Resi\u00addency in Novi Sad, also auch von kuda organisiert, bestreiten m\u00f6chte, die eben\u00adfalls auf einen Release abzielen sollte. So haben wir im Sommer hammerhei\u00dfe 40 Grad-Tage an verschiedenen Orten, etwa einer Kirche, in den R\u00e4umlich\u00adkei\u00adten von kuda und im zeitgen\u00f6ssischen Museum der Stadt gespielt, aufgenommen und konzertiert, um Audiomaterial f\u00fcr unser Album zu lukrieren. Ich finde, dass man die Hitze darauf h\u00f6rt. Anfang Juni werden wir eine kleine Release-Tour unternehmen, die uns nach Graz, Ljubljana und an den Wiener Donau\u00adka\u00adnal bringen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Ursula Winterauer aka gischt ver\u00adbindet mich eine enge Freundinnen\u00adschaft, die wir auch gewillt sind, in Musik umzusetzen. Eine wirkliche Entwicklung scheitert leider bis dato an unserer je\u00adwei\u00adligen immer wieder unm\u00f6glich an\u00admu\u00adten\u00adden Verplantheit. Ursula betreibt Ventil Records und ist dar\u00fcber hinaus als Solo- Filmsoundtrack- und Performancemusi\u00adke\u00adrin \u00e4u\u00dferst gefragt. Aktu\u00adell sind wir da\u00adbei, uns f\u00fcr kommenden Winter Kon\u00adzer\u00adte in Brasilien und Chile zu organisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Cordula B\u00f6sze habe ich kennengelernt, als ich sie vor vielen Jahren f\u00fcr meine Masterarbeit \u201eFl\u00f6te unkonventionell\u201c (unter der gewissenhaften Betreu\u00adung von Burkhard Stangl) interviewt ha\u00adbe. N\u00e4her gekommen sind wir uns aber erst in den letzten Jahren durch den echoraum, nicht zuletzt verbindet uns die (auch post mortem anhaltende) Zu\u00adneigung zu Werner Korn, der f\u00fcr uns bei\u00adde in unterschiedlichen Auspr\u00e4\u00adgun\u00adgen eine sehr gewichtige Rolle gespielt hat. Sie ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt ob ich beim Bl\u00f6den Dritten Mittwoch im Rahmen von Wien Modern ein Duo mit ihr spielen m\u00f6chte, und ich glaube, es ist uns gut gelungen, manche R\u00fcckmeldungen waren nahezu enthusiastisch. Ich hoffe auf eine Wei\u00adterf\u00fch\u00adrung von <em>B bis Z!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine recht neue Formation m\u00f6chte ich hier auch nicht unerw\u00e4hnt lassen, da wir gro\u00dfe Pl\u00e4ne haben: Es handelt sich um brrrds+y, ein (Block-&amp; Quer-)Fl\u00f6ten\u00adtrio, bestehend aus Christine Gnig\u00adler, Maja Osojnik und mir an den diversen Fl\u00f6ten und Milena Georgieva, auch be\u00adkannt als yuzu, an der Elektro\u00adnik. Wir haben erst zwei Konzerte ge\u00adspielt (Jahresendzeitschokoladenhohl\u00adk\u00f6r\u00adper\u00adfestival \u201923 und sch:cht bei Wien Mo\u00addern \u201924), werden aber diesen Som\u00admer ein Album aufnehmen und haben gro\u00dfen Spa\u00df da\u00adran, gemeinsame Fl\u00f6\u00adten\u00adforschung zu betreiben.<\/p>\n\n\n\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/femmes_120-zlanabitnig2-1024x682.jpg\" alt=\"Sara Zlanabitnig\" \/>\n<figcaption>Foto: ola queen<\/figcaption>\n<\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Du bist bekanntlich nicht nur versierte Musikerin, sondern auch ebensolche Kulturarbeiterin. Erinnere ich mich richtig, dass du damit in der Ini\u00adtiative Fraufeld begonnen hast? Magst du uns die wesentlichen Im\u00adpul\u00adse da\u00adf\u00fcr in Erinnerung rufen? Und ex\u00adistiert sie gegenw\u00e4rtig \u00fcberhaupt noch? <\/strong><br>Naja, begonnen habe ich wohl schon fr\u00fcher mit der Mitarbeit der MdW-Kon\u00adzertreihe Aquarium im Club Ost und mit einer kleinen Konzertreihe im mo\u00eb und jahrelanger tempor\u00e4rer Mitarbeit bei den Kremser Festivals Glatt &amp; Verkehrt, Do\u00adnaufestival und Kontraste, aber ernsthaf\u00adter wurde meine Kulturarbeit vermut\u00adlich mit Fraufeld im Jahr 2017. Verena Zei\u00adner hat diese Idee initiiert, und wir ha\u00adben zuerst zu zweit und sp\u00e4ter zu f\u00fcnft im Zuge von (live-)recording ses\u00adsions drei Compilations mit \u00fcber 50 lo\u00adka\u00adlen Mu\u00adsikerinnen, vorwiegend Instru\u00admenta\u00adlis\u00adtinnen aus den Feldern der progressiven Komposition &amp; Improvisation produziert, weil es uns ein dringendes Anlie\u00adgen war, Frauen* in der Musik\u00adland\u00adschaft sichtbarer zu machen. Nach f\u00fcnf Jahren ging allen ein bissel die Puste aus, zumal wir den Gro\u00dfteil der Arbeit ehrenamtlich ge\u00adschupft haben, und nach der Reihe be\u00adschlossen meine Kollegin\u00adnen \u2013 legitimer\u00adweise \u2013, ihre Zeit wieder vorwiegend ih\u00adrer k\u00fcnstlerischen Arbeit zu widmen. Mir war es zu schade um das bereits Ge\u00adschaffe\u00adne, das Netzwerk und das Um\u00adfeld, und ich habe mir kurzerhand ein neues Team gesucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit knapp drei Jahren wird Fraufeld nun von Kira David, Christine Gnigler und mir betrieben, und wir haben uns bisher auf die Diskursreihe <em>Nachhall im Fraufeld<\/em> (2023 und 2024 viertelj\u00e4hrlich im echoraum zu den Themen Musik &amp; Macht, Musik &amp; Geld, Musik &amp; Geschich\u00adte, Mu\u00adsik &amp; Technik, Musik &amp; Stille, Mu\u00adsik &amp; Zufall, Musik &amp; Hormone und Mu\u00adsik &amp; Schiaches) konzentriert und arbeiten ge\u00adrade an der Umsetzung einer Pub\u00adlikation inklusive H\u00f6rspiel in Form eines Kunst\u00adbuchs dazu. Der n\u00e4chste Schritt war das erste Frau*feld-Festival mit live-recording sessions, talks und surprises in den West\u00adbahnstudios am 24. und 25. Mai. Die Zu\u00adsammenarbeit mit Kira und Chris\u00adtine an diesen Projekten ist nicht nur \u00fcberaus bereichernd und inspirierend, sondern auch in eine wunderbare Freundinnen\u00adschaft gem\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein n\u00e4chster Arbeitsschwerpunkt zur Verbesserung der Rahmenbedin\u00adgungen f\u00fcr Musikschaffende in Wien war bzw. ist \u201eMit der Stadt reden\u201c, ein Versuch, durch Gespr\u00e4\u00adche mit der Kulturverwaltung Fort\u00adschritte zu er\u00adzielen. Inwieweit siehst du diese Ini\u00adti\u00adative gelungen? Auch unter dem As\u00adpekt, dass aus meiner Au\u00dfensicht ein paar wenige davon profitiert haben und andere nicht.<\/strong><br>Also da bin ich erst dazugekommen, als die ersten Gespr\u00e4che mit diversen Stadtpolitiker:innen schon erfolgreich ge\u00adf\u00fchrt worden waren, aber ich denke schon, dass die Initiative alles andere als umsonst war. Die Erh\u00f6hung der Kom\u00adpositions\u00adf\u00f6r\u00adder\u00admittel von 15.000 auf 150.000 Euro so\u00adwie die Einf\u00fchrung der zw\u00f6lf Arbeits\u00adsti\u00adpendien pro Kalenderjahr gingen da\u00admit einher und bringen we\u00adsent\u00adliche Ver\u00adbes\u00adserungen f\u00fcr freischaffende Musike\u00adr:in\u00adnen mit sich. Au\u00dferdem hat es einzelne Proponent:innen unterschied\u00adlicher Sze\u00adnen einander n\u00e4hergebracht. Mit Be\u00adto\u00adnung auf einzelne, denn was nicht ge\u00adlun\u00adgen ist, ist wirklich viele Leu\u00adte mit di\u00adver\u00adsen Hintergr\u00fcnden ins Boot zu ho\u00adlen, aber das liegt letztendlich auch an der jeweiligen Bereitschaft und Offen\u00adheit ge\u00adgen\u00fcber einer solchen diskursiven und auch konfrontativen Unterneh\u00admung; ich habe ja den Eindruck, eine solche wird in Musikzirkeln durchaus gerne gemieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Treffen, an denen ich teilgenom\u00admen habe (das muss 2019 gewesen sein), waren mitunter langatmig und et\u00adwas sperrig, und nat\u00fcrlich gibt\u2019s in solchen Gruppen Menschen, die sich gern reden h\u00f6ren, es gibt aber auch solche, die viel zu sagen haben und Erfahrungen teilen k\u00f6nnen, und f\u00fcr mich waren da je\u00addenfalls auch aufschlussreiche Momen\u00adte dabei, ich war ja damals recht frisch im echoraum und auch noch nicht allzu lange in diesen Szenenzu\u00adsam\u00admenh\u00e4n\u00adgen unterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deine Hauptbesch\u00e4ftigung als Kul\u00adturarbeiterin ist, zusammen mit Alisa Beck, die k\u00fcnstlerische Leitung des echoraum. Schon bald nach der um\u00adfangreichen Einarbeitung mit dem wunderbaren Werner Korn habt ihr ganz neue Formate und Inhalte etabliert, ohne vom traditionellen Pro\u00adfil abzuweichen. Wie nimmst du dei\u00adne bzw. eure Arbeit in der Sechs\u00adhau\u00adser Stra\u00dfe wahr?<\/strong><br>Uff, dazu k\u00f6nnte ich jetzt weit ausholen. Fest steht, dass die Begegnung mit Werner \u2013 initial 2017 im Rahmen einer Frau*feld-Albumpr\u00e4sentation im echoraum, aber dann vor allem in den Jahren der \u00dcbergabe 2019 bis 2021 \u2013 wegweisend, immens pr\u00e4gend und vor allem ein gro\u00dfer Gl\u00fccksfall f\u00fcr mich war. Wir haben uns in diesen Jahren beinahe t\u00e4glich ge\u00adsehen, und \u00fcber die Arbeitsbezie\u00adhung hinaus ist daraus eine sch\u00f6ne ge\u00adnera\u00adtio\u00adnen\u00fcbergreifende Freundschaft resultiert, die ich nicht missen m\u00f6chte. Solch inspirierte und inspirierende Per\u00ads\u00f6nlich\u00adkeiten wie Werner begegnen ei\u00adner im Leben nur wenige \u2013 mir zumindest.<\/p>\n\n\n\n<p>Seinen felsenfesten Willen zur \u00dcber\u00adgabe und die damit einhergehende Be\u00adreitschaft zum Loslassen muss man im\u00admer wieder unterstreichen und betonen. Er war einfach ein riesiger Unterst\u00fctzer der jungen Generation. Was die Anf\u00e4n\u00adge von Alisa und mir ab dem Jahres\u00adbe\u00adginn 2022 betrifft, hat er immer bekr\u00e4ftigt, fast nie kritisiert, er war \u2013 soweit es ihm m\u00f6glich war \u2013 bis zu seinem viel zu fr\u00fchen Tod im Sommer 2023 bei je\u00adder unserer Veranstaltungen, stets be\u00adreit, seinen Enthusiasmus auszupacken.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese ganze Phase war sehr intensiv, zumal da ja auch die Pandemie hin\u00adein\u00adgr\u00e4tschte, und ein neues (Leitungs-)Team zu installieren, dann auch nicht gerade kein Kraftakt. Mittlerweile habe ich das Gef\u00fchl, dass sich die neuen Ver\u00adh\u00e4ltnis\u00adse eingependelt haben und dass der Laden l\u00e4uft. Die Arbeit ist irrsinnig vielseitig, bei zwei Veranstaltungen pro Woche kommt es zu mannigfaltigen Begegnungen, und dar\u00fcber hinaus gilt es einen mitunter kom\u00adplexen administrativen Rahmen zu bew\u00e4l\u00adtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alisa und ich haben uns darauf geeinigt, zwei Programmsitzungen pro Jahr abzuhalten, in denen wir das jeweilige kommende Halbjahr zum Gro\u00dfteil programmieren. Dabei kombinieren wir di\u00adverse Fixstarter-Kollaborationen mit ande\u00adren Vereinen und deren Veranstaltungs\u00adreihen oder Festivals mit eigenen W\u00fcn\u00adschen\/Ideen und nicht zuletzt einer Aus\u00adwahl aus den unz\u00e4hligen und gef\u00fchlt im\u00admer mehr werdenden Anfragen aus dem In- und Ausland, die uns laufend erreichen. Kein Leichtes, aber Alisa und ich sind uns da \u2013&nbsp;obwohl aus recht unterschiedlichen Hintergr\u00fcnden kommend \u2013 erstaunlich schnell einig, und so f\u00fchlt sich dieser doch nicht unwesentliche As\u00adpekt unserer Arbeit organisch und konstruktiv an.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben auch das Technik\u00adteam auf f\u00fcnf Personen (Christina Bauer, Lisa Ma\u00adria Hollaus, Daniel Lercher, Gitti Petri &amp; Oliver Stotz) ausgeweitet, arbeiten mit dem Grafiker Wolfgang Gosch zusammen und werden weiterhin tatkr\u00e4f\u00adtig von Alice Lapitz beim Einlass und an der Bar unterst\u00fctzt. \u00dcber diese Konstella\u00adtion bin ich sehr gl\u00fccklich, das passt gut!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du hast im Herbst eine ausgiebige Reise vor dir. Wohin soll\u2019s gehen, und was wirst du dort machen?<\/strong><br>Nachdem ich mich vom Gef\u00fchl meiner ersten echoraum-Jahre gel\u00f6st habe, nun f\u00fcr immer an die Stadt gebunden zu sein, habe ich beschlossen, mir zum heu\u00adrigen runden Geburtstag eine Aus- und Reisezeit zu schenken. Ich war zwischen 2010 und 2017 vier Mal in S\u00fcdamerika, haupts\u00e4chlich in Brasilien, aber auch in Argentinien und Kolumbien unterwegs, teilweise f\u00fcr l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume, und es zieht mich wieder in diese Gegenden, die es mir mit ihrer Lebenslust, ihrem kulturellen Reichtum und ihrer landschaft\u00adlichen Pracht angetan haben. Einerseits will ich alte Freund:innen besuchen und Nostalgien f\u00fcttern, es reizt mich aber auch, neue Gefilde zu erleben, beispiels\u00adweise war ich noch nie in den Anden. Und andererseits habe ich Lust auf trans\u00adatlantische Musik-Kollaborationen und -Entdeckungen; S\u00fcdamerika hat ja eine enorm reiche Fl\u00f6tentradition, dieser will ich noch mehr auf den Grund gehen. Ich habe mich f\u00fcr Residencies beworben, will Konzerte spielen, und im S\u00fcden Ko\u00adlumbiens planen wir mit Freund:innen vor Ort ein Projekt mit Kleinkindern ei\u00adner indigenen Community. Das alles will noch logistisch in Form gebracht werden, aber je n\u00e4her die Reise r\u00fcckt, desto mehr Vor\u00adfreude kommt auf.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/sarazlanabitnig.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">sarazlanabitnig.com<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wiener Musikerin und Kulturarbeiterin Sara Zlanabitnig erz\u00e4hlt im freiStil-Interview unter anderem von ihren Zu\u00adg\u00e4ngen zu und Aus\u00fcbungen von ihren beiden Professionen, von Fl\u00f6tent\u00f6nen, neuen Gruppierungen, von Werner Korn und ihrer Liebe zu Lateinamerika. Sara, als Solofl\u00f6tistin durfte ich dich im Hotel Pupik von Schratten\u00adberg erleben. Die Mischung aus Im\u00adprovisation, Experiment und Elektro\u00adnik hat mich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":16,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-51","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-musiker_innen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=51"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14548,"href":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51\/revisions\/14548"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=51"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=51"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=51"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}