{"id":62,"date":"2025-07-11T16:30:47","date_gmt":"2025-07-11T14:30:47","guid":{"rendered":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/?p=62"},"modified":"2025-08-04T16:58:01","modified_gmt":"2025-08-04T14:58:01","slug":"good-cop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/good-cop\/","title":{"rendered":"Good Cop"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><img decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"111\" class=\"wp-image-64\" style=\"width: 150px;\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120_logo.png\" alt=\"Aktion Mutante\"><br><strong>Ganz im S\u00fcden K\u00e4rntens, in Arnoldstein, betreibt das Team von Christian P\u00f6schl mit der <\/strong>Aktion Mutante<strong> seit 30 Jahren fort\u00adschrittliche Kulturarbeit.<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120a-768x1024.jpg\" alt=\"Christian P\u00f6schl\" class=\"wp-image-65\" style=\"width:500px\" srcset=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120a-768x1024.jpg 768w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120a-225x300.jpg 225w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120a-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120a.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Christian P\u00f6schl<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Christian, ihr begeht heuer euren 30er. Habt ihr euch daf\u00fcr ein spezielles Programm \u00fcberlegt?<\/strong><br>Naja, urspr\u00fcnglich war einiges ge\u00adplant \u2013 zahlreiche Konzepte wurden bei diversen F\u00f6rderstellen eingereicht. Lei\u00adder blieb es bislang bei Absagen. Unser Wunsch war es, anl\u00e4sslich des 30-j\u00e4hrigen Bestehens eine R\u00fcckschau zu wa\u00adgen und dar\u00fcberhinaus zahlreiche weitere Vorhaben umzusetzen. Doch realistisch betrachtet, lassen sich diese Pl\u00e4ne finanziell derzeit nicht stemmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell konzentrieren wir uns daher auf unsere bew\u00e4hrten Formate: Etwa das Fest, das wir unter dem Titel <em>ABC Aktion Brez Confine<\/em> \u2013 ein bewusst ge\u00adsetztes Wortspiel, das den Drei-L\u00e4nder-Gedanken \u00d6sterreich\/Slowenien\/Italien aufgreift \u2013 ins Leben gerufen haben und derzeit organisieren. Und dann ist da noch das Un:Wucht-Festival Ende Au\u00adgust. Ich bin gerade dabei, einige K\u00fcnst\u00adler:innen und Bands anzufragen und aus\u00adzuloten, was realisierbar ist. Sollte sich beides finanziell gut entwickeln, ist es durchaus denkbar, dass im Herbst noch ein weiteres Projekt folgt \u2013 vorausgesetzt, die Motivation bleibt. Bei uns h\u00e4ngt vieles davon ab, wie unsere Veranstal\u00adtun\u00adgen laufen \u2013 und ob dadurch Raum entsteht, um \u201enachzulegen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ist durchaus nicht \u00fcblich, dass ein Polizist eine Kulturinitiative leitet. Wie sieht deine berufliche T\u00e4tigkeit aus?<\/strong><br>Tats\u00e4chlich kenne ich niemanden in meinem beruflichen Umfeld, der oder die in vergleichbarer Weise t\u00e4tig ist wie ich. Ein kleiner Teil meiner Arbeit \u2013 man glaubt es kaum \u2013 erfolgt nach wie vor im klassischen Uniformdienst, allerdings beschr\u00e4nkt sich das auf zwei bis drei Dienste im Monat. Der weitaus gr\u00f6\u00dfere Teil meiner T\u00e4tigkeit liegt mittlerweile seit einigen Jahren im Bereich der Pr\u00e4\u00advention \u2013 ein Feld, das sich erstaunlich vielf\u00e4ltig gestaltet: Suchtpr\u00e4vention, Ge\u00adwaltpr\u00e4vention, digitale Medien, Sicher\u00adheit f\u00fcr Senior:innen, Einbruchsschutz. Die Palette ist breit und ber\u00fchrt nahezu alle Lebensbereiche.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zentrales Element meiner Arbeit ist das polizeiliche Pr\u00e4ventionspro\u00adgramm \u201eUnder18\u201c, das bereits ab der ersten Klasse Mittelschule bzw. AHS ansetzt. In diesem Rahmen bilde ich Kolleg:in\u00adnen in verschiedenen Modulen aus, um ih\u00adnen das notwendige Handwerkszeug zu vermitteln, mit dem sie selbst in Schulen pr\u00e4ventiv t\u00e4tig werden k\u00f6nnen. Hinzu kommen zahlreiche weitere Aktivit\u00e4ten \u2013 doch der Fokus liegt eindeutig auf der Pr\u00e4ventionsarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Erfreulicherweise wird meine parallele \u201ekulturelle T\u00e4tigkeit\u201c im dienstlichen Kontext durchaus wertgesch\u00e4tzt \u2013 oder zumindest mit Neugier betrachtet. Im\u00admer wieder werde ich gefragt, was das eigentlich sei, diese Musik, diese K\u00fcnst\u00adler:innen \u2026 und warum man sich so et\u00adwas \u00fcberhaupt anh\u00f6rt. Einige Kolleg:in\u00adnen haben sich dann sogar aufgerafft und bei dem einen oder anderen Kon\u00adzert vorbeigeschaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Am\u00fcsant wird es auch, wenn ich mit K\u00fcnstler:innen ins Gespr\u00e4ch komme und meine berufliche T\u00e4tigkeit zur Sprache kommt. Da ist die \u00dcberraschung oft gro\u00df. Eine kleine Anekdote: Die Band Kreisky, deren Mitglieder ich schon lan\u00adge kenne, war bereits bei uns zu Gast, bevor es sie als Kreisky \u00fcberhaupt gab. Der S\u00e4nger \u2013 besser bekannt als Kunst\u00adfigur Austrofred \u2013 spielte im Film Giving\u00adGas. Vor einigen Jahren rief mich das Filmteam an: Ob ich Zeit h\u00e4tte, f\u00fcr eine Filmszene zur Verf\u00fcgung zu stehen. Sie br\u00e4uchten einen Polizisten, der mit dem Austrofred eine Amtshandlung durchf\u00fchrt. Gesagt, getan: Die Crew kam nach Arnoldstein, mein Kollege war einigerma\u00dfen \u00fcberrascht \u2013 und ich wurde, v\u00f6llig unerwartet, zum \u201eSchauspieler\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Musik ist dazu ein Ausgleich, eine Kom\u00adpensation? Oder ist sie einfach deine gro\u00dfe Leidenschaft. Du gestaltest ja auch regelm\u00e4\u00dfig eine Radiosendung \u2026<\/strong><br>Musik ist f\u00fcr mich weit mehr als blo\u00dfes Hobby \u2013 sie ist Leidenschaft, manch\u00admal auch Ausgleich und wohl nicht selten eine Form der Kompensation. Seit fr\u00fchester Kindheit war sie Teil meines Alltags, nicht zuletzt deshalb, weil mein Vater als Musiker t\u00e4tig war. Zugegeben, es handelte sich um Blasmusik, aber er beherrschte sein Instrument mit gro\u00dfer Ernsthaftigkeit und bildete auch junge Musikerinnen und Musiker aus. Meine eigene musikalische Pr\u00e4gung verlief in eine v\u00f6llig andere Richtung, doch diese fast schon obsessive Hingabe an Musik habe ich wohl von ihm geerbt \u2013 oder mir durch die kontinuierliche Beschal\u00adlung einfach einverleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>In meiner Kindheit und fr\u00fchen Ju\u00adgend war Musik zun\u00e4chst ausschlie\u00dflich et\u00adwas, das \u00fcber das Radio an mich herantrat. Erst mit sechzehn begann sich das zu \u00e4ndern, und auch hier spielte mein beruflicher Werdegang eine Rolle. Ich begann damals als sogenannter Gen\u00addar\u00admeriepraktikant, man k\u00f6nnte sagen: ei\u00adne Lehre mit 16 in der Gendarmerie\u00adschule, die mich fr\u00fch mit unterschiedlichsten Menschen zusammenbrachte. Einige von ihnen \u00f6ffneten mir musikalisch die Augen. Meine erste gro\u00dfe Um\u00adorientierung war der Einstieg in Metal mit all seinen Facetten, eine echte Initi\u00adal\u00adz\u00fcndung. Einen ganz wesentlichen Wendepunkt markierte jedoch ein Kon\u00adzert von Naked City in Klagenfurt. Ich fuhr damals nur hin, weil einer der Musi\u00adker auf einer Ank\u00fcndigung ein T-Shirt von einer Band trug, die ich verehrte. Wer Naked City einmal live gesehen hat, kann sich vorstellen, wie intensiv dieses Erlebnis f\u00fcr mich war. Der Rest ist, wie man so sch\u00f6n sagt, Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich k\u00f6nnte spontan gar nicht sagen, welches musikalische Genre ich eigentlich bevorzuge \u2013 schon weil ich den Ver\u00adsuch, Musik in Schubladen zu stecken, grunds\u00e4tzlich f\u00fcr wenig sinnvoll halte. Musik muss etwas mit mir machen, sie muss mich innerlich bewegen \u2013 nicht im t\u00e4nzerischen, sondern im existenziellen Sinn. Nur dann wende ich mich ihr wirklich zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2008 gestalte ich auf dem K\u00e4rnt\u00adner Privatsender Radio Agora die monat\u00adliche Sendung <em>ElTopoRadio.<\/em> Innerhalb der vorgegebenen Sendezeit genie\u00dfe ich gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Freiheit. Das Konzept der Sendung geht dabei \u00fcber das reine Musizieren hinaus. Ich lade gerne G\u00e4ste ein, in der Regel zwei pro Sendung, und spreche mit ihnen \u00fcber ihre T\u00e4tigkeiten, ihre Perspektiven. Oft handelt es sich um Menschen mit verwandten Berufen oder T\u00e4tigkeitsfeldern, manchmal aber auch um G\u00e4ste, bei denen auf den ersten Blick keinerlei \u00dcberschneidungen sichtbar sind. Doch im Verlauf der einen Stunde und vierundf\u00fcnfzig Minuten er\u00adgeben sich immer wieder Schnitt\u00admen\u00adgen, Themen, Diskussionspunkte \u2013 es wird lebendig. Zwischendurch gibt es Musik, die ich selbst ausw\u00e4hle oder die auch von den G\u00e4sten mitgebracht wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120-Surfer_Moser-1024x768.jpg\" alt=\"Surfer Moser\" class=\"wp-image-63\" srcset=\"https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120-Surfer_Moser-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120-Surfer_Moser-300x225.jpg 300w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120-Surfer_Moser-768x576.jpg 768w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120-Surfer_Moser-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/freistil.klingt.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/space_120-Surfer_Moser.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Surfer Moser. Foto: Christian P\u00f6schl<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie seid ihr \u00fcberhaupt auf den Vereinsnamen Aktion Mutante ge\u00adkommen? Was war daf\u00fcr der ge\u00addank\u00adliche Hintergrund?<\/strong><br>Wie so oft begann alles mit einer ge\u00adwissen Unzufriedenheit. Zwei damals noch sehr junge Arnoldsteiner konnten sich mit dem kulturellen Angebot am Land nicht recht anfreunden. In einer Marktgemeinde mit rund 7.000 Ein\u00adwoh\u00adner:innen ist Kultur ohnehin ein dehnbarer Begriff. Noch heute dominieren hier eher volkskulturelle Formate: jedes Wo\u00adchenende ein Kirchtag irgendwo im Tal, Feuerwehrfeste, Chorgesang, Blas\u00admu\u00adsik und hitzige Diskussionen im Wirts\u00adhaus.<\/p>\n\n\n\n<p>1994, zum Zeitpunkt unserer Initial\u00adz\u00fcndung, herrschte in Arnoldstein zwar kein politischer Mief im konservativen Sinn. Im Gegenteil, die Gemeinde war und ist traditionell tiefrot. Aber mit zeitgen\u00f6ssischer oder gar experimenteller Kultur konnte man dort wenig anfangen. Der passende Slogan zur Vereins\u00adgr\u00fcn\u00addung \u201ea b\u2019soffene G\u2019schicht\u201c, der sp\u00e4ter ironisch durch die Gegend geisterte, w\u00e4re bereits damals treffend gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir zwei jugendlichen Kulturhun\u00adgri\u00adgen \u00fcberlegten also, wie man das \u00f6rtliche Angebot in eine andere Richtung lenken k\u00f6nnte. Der erste Gedanke war eine alternative Silvesterfeier im \u00f6rtlichen Kulturhaus, einem klassischen Tempel der siebziger Jahre. Doch die n\u00fcchterne Realit\u00e4t folgte auf die feuchtfr\u00f6hliche Idee. Der Antrag an die Ge\u00admein\u00adde wurde abgelehnt, die Nutzung des Hauses sei ausschlie\u00dflich Vereinen vorbehalten. Diese Absage verstanden wir als impliziten Arbeitsauftrag und begannen umgehend, an Statuten zu feilen. Wichtigster Punkt auf der Liste war ein pr\u00e4gnanter Name.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war und bin gro\u00dfer Kinofan, und zu jener Zeit lief die laut Wikipedia Scien\u00adce-Fiction-Horror-Kom\u00f6die <em>Acci\u00f3n Mu\u00adtante<\/em> des spanischen Regisseurs \u00c1lex de la Iglesia in den Kinos. Der Film, in dem eine anarchistische Gruppe Freaks versucht, durch blutige Aktionen gesellschaftliche Aufmerksamkeit zu erzwingen, war wild, grotesk und durchzogen von einer ordentlichen Portion Kunst\u00adblut. Wir f\u00fchlten uns sofort angesprochen. Der Titel wurde kurzerhand eingedeutscht, und so war er geboren: Akti\u00adon Mutante.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Magst du uns einen \u00dcberblick \u00fcber ein paar Highlights der Aktion Mu\u00adtan\u00adte geben?<\/strong><br>Zu Beginn unserer Aktivit\u00e4ten lag der Fokus tats\u00e4chlich vor allem auf dem Or\u00adganisieren von Partys. Konzerte interessierten uns anfangs kaum. Das \u00e4nderte sich erst mit der Zeit, durch pers\u00f6nliche Bekanntschaften, etwa mit Wolfgang Almer, der eine Bookingagentur na\u00admens Popfakes betrieb. Dort waren auch die Vorl\u00e4uferprojekte von Kreisky aktiv, und \u00fcber ihn gelang es uns, spannende K\u00fcns\u00adtlerinnen und K\u00fcnstler zu engagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist immer schwierig, einzelne H\u00f6\u00adhepunkte zu benennen, aber besonders lebendig in Erinnerung geblieben sind mir zum Beispiel Noxagt aus Norwe\u00adgen. Das m\u00fcsste im Jahr 2004 gewesen sein. Diese Band trat mit einer derartigen Energie auf, dass wir buchst\u00e4blich mit offenem Mund dastanden. Dazu kamen ihre sympathischen Pers\u00f6nlichkeiten. \u00dcberhaupt kann ich mich an keine Band erinnern, mit der es zwischenmenschliche Spannungen gegeben h\u00e4tte. Auch Bulbul und die Soloprojekte der Band\u00admitglieder waren immer wieder bei uns zu Gast. Dazu f\u00e4llt mir noch eine Ge\u00adschichte ein: Bulbul waren das erste Mal 2023 beim Festival Schallmauern dabei. Der Auftrittsort war die Kloster\u00adruine Arnoldstein, die damals noch nicht vollst\u00e4ndig renoviert war. Der B\u00fchnen\u00adbereich war nicht \u00fcberdacht und, wie k\u00f6nnte es anders sein, begann es zu regnen. Anstatt, wie geplant, um 15 Uhr konnten wir erst gegen 19 Uhr beginnen. Bulbul starteten ihr Set schlie\u00dflich nach Mitternacht. Die Lage der Ruine hoch \u00fcber Arnoldstein und die Laut\u00adst\u00e4r\u00adke der Musik sorgten daf\u00fcr, dass sich ein tiefer Bassteppich \u00fcber die Ort\u00adschaft legte. Das stie\u00df nicht \u00fcberall auf Begeis\u00adterung. Mein Handy l\u00e4utete ununterbrochen, ebenso bei den Kolleginnen und Kollegen. Ich lie\u00df die Band trotzdem spielen, bis mir schlie\u00dflich jemand, und zwar ein Kollege der \u00f6rtlichen Polizei\u00adstreife, auf die Schulter tippte und mein\u00adte, es sei nun wirklich genug. Da waren Bulbul allerdings schon bei der Zugabe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Detail aus jener Zeit ist mir ebenfalls in Erinnerung geblieben: Wir waren damals als Veranstalter noch sehr naiv und versuchten tats\u00e4chlich, die technischen Anforderungen der Bands, die so\u00adgenannten Rider, Punkt f\u00fcr Punkt zu er\u00adf\u00fcllen. Bulbul hatten, wie sich sp\u00e4ter herausstellte: zum Spa\u00df, drei Garnitu\u00adren Feinripp-Unterw\u00e4sche auf ihrer Liste. Und ja, auch die haben wir besorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres pers\u00f6nliches Highlight war Monster Zoku Onsomb aus Aus\u00adtra\u00adlien, die dreimal bei uns zu Gast waren. Besonders war nicht nur die Musik, son\u00addern auch die Tatsache, dass sie jeweils eine Woche bei uns blieben, wodurch echte Freundschaften entstanden sind. Wir waren in der Region auch der erste Verein, der gezielt Veranstaltungen plan\u00adte, bei denen ein hoher Anteil an Musi\u00adkerinnen auf der B\u00fchne stand. Uns war es wichtig zu zeigen, dass Frauen in der Musikszene weit mehr sind als dekoratives Beiwerk. Es war und ist uns egal, ob Bands stilistisch zueinander passen. Entscheidend ist, dass es f\u00fcr uns stimmig ist, dass es uns ber\u00fchrt. Dann organisieren wir es. Daran hat sich nie et\u00adwas ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich freue ich mich auch dar\u00fcber, dass wir in den letzten Jahren einige Veranstaltungen hatten, die auch fi\u00adnanziell erfolgreich waren. F\u00fcr einen Ver\u00adein ist das ein Aspekt, der nicht zu un\u00adtersch\u00e4tzen ist. Und dass wir im letzten Jahr Fuckhead wieder einmal nach K\u00e4rn\u00adten holen konnten, war f\u00fcr mich pers\u00f6n\u00adlich, aber auch f\u00fcr viele Besucherinnen und Besucher, ein echtes Highlight. Im Grunde genommen war f\u00fcr mich jedes Konzert, jede Band, jede K\u00fcnstlerin und jeder K\u00fcnstler ein besonderes Erlebnis. Ich kann mich nicht erinnern, je das Ge\u00adf\u00fchl gehabt zu haben, dass jemand nicht gepasst h\u00e4tte. Subjektiv war es immer gro\u00dfartig. Wirtschaftlich gesehen sieht die Sache nat\u00fcrlich oft anders aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihr veranstaltet in Arnoldstein, al\u00adso im s\u00fcdlichsten K\u00e4rnten, nahe an den Grenzen zu Slowenien und Ita\u00adlien. Wirkt sich die Kulturarbeit in diesem Dreil\u00e4ndereck auf eure Arbeit und auf euer Publikum aus?<\/strong><br>Ich habe bereits sehr fr\u00fch begonnen, Kontakte zu Vereinen in Italien und Slo\u00adwenien zu kn\u00fcpfen. Es war mir ein An\u00adliegen, den kulturellen Austausch im Dreil\u00e4ndereck sichtbar zu machen und aktiv zu gestalten. Diese gelebte Grenz\u00ad\u00fcberschreitung hatte f\u00fcr mich eine politische und auch pers\u00f6nliche Dimension. Gleichzeitig habe ich aber auch eine ge\u00adwisse Skepsis gegen\u00fcber dem allgegen\u00adw\u00e4rtigen Dreil\u00e4ndermarketing entwickelt. Denn alles hier scheint \u201eSenza Confini\u201c zu sein, \u00fcberall begegnet einem das La\u00adbel \u201eAlpe Adria\u201c. Ob Radwege, kulinarische Events, Schirennen oder volkst\u00fcm\u00adliche Musikveranstaltungen: Der grenz\u00fcberschreitende Gedanke wird omnipr\u00e4sent bem\u00fcht und wirkt mitunter eher nach Tourismusstrategie als nach echtem kulturellem Dialog.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade deshalb war es mir wichtig, auch ein Zeichen zu setzen, das sich be\u00adwusst von dieser PR-getriebenen Be\u00adlie\u00adbigkeit abhebt. So haben wir im vergangenen Jahr das Projekt <em>ABC Aktion Brez Confine<\/em> initiiert \u2013 ein bewusst mehrsprachiger Titel, der Deutsch, Italienisch und Slowenisch verbindet und sinnbildlich f\u00fcr unsere Haltung steht. In diesem Rahmen haben wir mit einem italienischen Verein kooperiert und ein gemein\u00adsames Fest veranstaltet. Au\u00dferdem la\u00adden wir regelm\u00e4\u00dfig Bands und K\u00fcnstle\u00adrinnen aus Italien und Slowenien ein. Diese k\u00fcnstlerische \u00d6ffnung ist f\u00fcr uns selbstverst\u00e4ndlich und bereichernd.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch bleibt eine gewisse Am\u00adbi\u00advalenz. Inwiefern dieses Dreil\u00e4ndereck tats\u00e4chlich Einfluss auf unsere Veran\u00adstaltungen nimmt, l\u00e4sst sich schwer sa\u00adgen. Wenn ich ehrlich bin, eher wenig. Zwar gibt es in den grenznahen Regi\u00ado\u00adnen immer wieder spannende Festivals, die ich selbst gerne besuche. Aber eine wirklich nachhaltige Vernetzung hat sich daraus bislang kaum ergeben. Woran das liegt, kann ich auf Anhieb nicht sa\u00adgen. An der Sprache d\u00fcrfte es kaum scheitern. Mit Englisch kommt man gut durch, und ein paar Brocken Italienisch oder Slowenisch sind schnell gelernt. Zudem sprechen viele Menschen in beiden Nachbarl\u00e4ndern auch Deutsch. Viel\u00adleicht braucht es einfach mehr Geduld und die richtigen Gelegenheiten, um da\u00adraus langfristige Strukturen zu entwickeln. Ich schlie\u00dfe jedenfalls nicht aus, dass wir in Zukunft diesen Weg weiterverfolgen. Ideen gibt es jedenfalls viele, und genug Pl\u00e4ne f\u00fcr die kommenden Jahre liegen in der Schublade. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/mutante.at\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">mutante.at<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz im S\u00fcden K\u00e4rntens, in Arnoldstein, betreibt das Team von Christian P\u00f6schl mit der Aktion Mutante seit 30 Jahren fort\u00adschrittliche Kulturarbeit. Christian, ihr begeht heuer euren 30er. Habt ihr euch daf\u00fcr ein spezielles Programm \u00fcberlegt?Naja, urspr\u00fcnglich war einiges ge\u00adplant \u2013 zahlreiche Konzepte wurden bei diversen F\u00f6rderstellen eingereicht. Lei\u00adder blieb es bislang bei Absagen. 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