Es muss im Sommer 1984 gewesen sein, als ich nach bestandener Führerscheinprüfung mit meinem Kurskollegen Stefan Griebl, der sich damals noch nicht Franzobel nannte, von Vöcklabruck/Oö. an die Algarve trampte und mit dem Zug fuhr. Die Suche nach einem Konzert unterwegs ergab, dass just zu der Zeit das Septett von Miles Davis in San Sebastián (baskisch: Donostia) auftreten sollte. Also legten wir einen Zwischenstopp im Baskenland ein und warteten in der Hitze des Abends vor der Konzerthalle, die man schon zum Soundcheck betreten durfte, den – in Abwesenheit des Meisters – sein Saxofonist Bob Berg perfekt organisierte. Nach einem merkbar etwas gebrechlichen Don Cherry im Vorprogramm folgte ein besonders brillantes Miles-Konzert. Als sich ihm während Time After Time ein Kameramann aufdringlich näherte, ging der Trompeter bei seinem Solo so lange schrittweise vorwärts und der Kameramann rückwärts – bis dieser rücklings von der Bühne stürzte. Miles quittierte das mit einem knappen Lächeln und setzte den famosen Auftritt ungerührt und ungestört fort. Ein Wahnsinn für normal. Nach einer Nacht im Freien setzten Stefan und ich die Reise in den Süden Portugals fort. Eine Eintrittskarte kostete übrigens umgerechnet 140 Schilling.
