The Bridge, Alter Schl8hof Wels
Zu Beginn ist alles sehr behutsam, zurückhaltend, spirituell, als möchte The Bridge an die zeitlosen Sounds der 60er Jahre erinnern. Die Musik John Coltranes erscheint auch als wesentlicher Bezugspunkt des Quartetts um den Tenorsaxofonisten Rodrigo Amado. Dieser hat wesentliche Leute des europäischen Jazz zu einer virtuosen, bestens eingespielten Formation versammelt: am Bass Ingebrigt Håker Flaten, der in der Schweiz ansässige Gerry Hemingway am Schlagwerk und der von den Jahren sichtlich gebeugte, am Gerät aber höchste lebendige Alexander Schlippenbach am Klavier. Nach dem melancholischen Intro verdichten sich die Klänge, werden auch ein wenig ruppiger, Hemingway pflegt fast rockige Muster. Ein endloses Crescendo mündet in einem ekstatischen Höhepunkt. Eigentlich ist ja Amado der Bandleader, in Wirklichkeit bringt sich aber jeder ein, wechselt die Richtung. Das Geheimnis ist das aufeinander Hören, das flexible Reagieren, das feinsinnige Zusammenspiel, bei dem keiner die Profilierung sucht, sondern jeder seinen Beitrag auf höchstem Niveau zu leisten imstande ist. So entsteht ein 70-minütiges Klangkonvolut, ein schier endloser Spannungsbogen, nie langweilig, immer überraschend. Gegen Schluss hängen nur noch zarte Linien im Raum, wieder Melancholie, fast wie eine resignative Coda. Und ganz am Ende noch eine Wendung, ein tänzelnder Rhythmus, ein swingender Ausklang. Noch ist nicht alles verloren.
