LIZ ALLBEE
breath vessels
Ni Vu Ni Connu (LP)

Die Firma Ment wird am Ende dieser Review noch eine Rolle spielen. Bis es soweit ist, mögen ein paar nackte Fakten Platz finden: Aufgenommen hat Liz Allbee ihre Atemgefäße in der Pariser Cité des Arts mit Stimme, Sinuswellen und Stimmgabeln. Diesmal ganz ohne Trompete. Sie verwirklicht, schreibt Allbee im Text auf dem Innencover auf die Frage „Warum mache ich das?“, aus den übriggebliebenen Materialien, den Ruinen, Erinnerungen und Trümmern von uns in dieser Welt. So gut wie immer sind es Geschichten, die Allbee erzählt, präzise, dringende, bisweilen hinter- bis abgründige. So auch hier in Pigeons, in dem sie ihre Story über Tauben mit einem faszinierenden, sonaren, blitzenden, schneidenden, strahlenden Soundtrack hinterlegt. Darauf folgen Knacklaute in den kurzen Glottal stops, eine perkussivere Klangarbeit, in der es untergründig sanft brodelt. Einsame Herden versammelt Allbee in den finalen Solitary flocks. Ein klarer Takt, die Stimme näher am Gesang als zuvor und zuweilen vervielfacht, magnetisch schwirrende Sounds, ein logische Dramaturgie, was könnte man von einer zeitgenössischen Musikproduktion mehr verlangen? So schnell gibt sich Liz Allbee, deren Ambitionenen immer schon weiterreichen als bei Otto Normalmusiker, nicht zufrieden. So kulminiert im Intro, dem mit fast 17 Minuten längsten Track dieser Zauberplatte, ihr ganzes Vermögen anhand einer rein instrumentalen, langsamen, schön-bedrohlichen, tiefgründigen Komposition, die nie aufhören sollte und die deswegen noch minuten- wenn nicht stundenlang nachklingt. Betitelt hat Liz Allbee dieses masterpiece Elegy for the lost at sea, mithin auch ein politisches Statement, wofür sich die seit langem in Berlin lebende amerikanische Musikerin seit jeher nicht zu schade ist. So und nicht anders gehen sound politics. Fazit: eine Ausnahmeplatte einer Ausnahmepersönlichkeit. Alle Sterne vom Firmament!
felix