The Klezmatics, Alter Schl8hof Wels
Pralle Lebenslust, anrührende Elegie, brillanter Humor, exquisites Entertainment – eine Mischung, wie gemacht für diese anarchistische, linksradikale jüdische Musikkapelle aus New York, die zu ihrem 40-jährigen Jubiläum auf große Tour geht und dabei auch im Welser Alten Schl8hof Station macht, der zu aller Überraschung extremen Zulauf erfährt. Schon der Auftakt zu diesem langen Set – mit dem Refrain Saufend kommen die Juden – verrät einiges über den hemmungsbefreiten, unsentimentalen, restlos säkularisierten Zugang der Klezmatics zu ihrer (Vor-)Geschichte und dem ihr inhärenten Witz. Einem Witz, der sich auch in den Einmoderationen zu den Songs ein ums andere Mal entlädt. Die Band des Trompeters Frank London (mit Lisa Gutkin an der Violine, Matt Darriau an der Klarinette und am Saxofon, Paul Morrissett am E-Bass, Richie Barshay an den Drums und dem vokal und instrumental am Klavier, an der Gitarre und am Akkordeon überaus präsenten Co-Bandgründer Lorin Sklamberg) greift an diesem rauschenden Abend in die Vollen und unterstreicht gleich mehrfach, dass gute Unterhaltung untrennbar mit Haltung zu tun hat. Gesungen wird überwiegend, aber nicht nur, auf Englisch, Deutsch und Jiddisch. Einen ans Herz rührenden Hit liefert die Bande ohne Instrumente mit dem A-cappella-Stück Un du Akerst, einen weiteren mit einer erschütternden Elegy for the Innocents. Wen das kalt lässt, möchte ich lieber nicht wissen. Und wie der Bandname schon ahnen lässt, renovieren The Klezmatics guten alten Klezmer und versehen ihn mit ein paar Tupfern Balkan, einer Prise Mexiko, ein paar Takten Jazz und einem Schuss Americana. Alte Knacker in jugendlicher Frische. Fantastisch, tanzbar, überschwänglich. Ein Abend für die Ewigkeit.
