Revolve / Teatro Tetrix, echoraum Wien
Wie schon Anfang März bei den Tiroler artacts in St. Johann fasziniert auch im Wiener echoraum die Verschränkung von interagierenden analogen und digitalen Kunstfertigkeiten von Ingrid Schmoliner und Martin Brandlmayr im Duo Revolve. Den Revolver tragen sie hüfthoch, zu zwei kommunizierenden Gefäßen gesellt sich ein drittes als zusätzliche Dimension. Bei noch besserem, glasklarem Sound (Oliver Stotz) beginnt die Reise der beiden durch die Galaxis des Klangs gemächlich, bevor sie zunehmend Fahrt aufnimmt, wenn Schmoliner in Kaskaden schwelgt und Brandlmayr dazu ein Becken auf dem Knie zu zerbrechen beabsichtigt. Klavier, Perkussion und Elektronik bündeln beide in unerhörter Intensität und Lust am Abenteuer. Ein Erlebnis für die ganze Familie der Sinnesorgane.

In der zweiten Halbzeit wirft sich der Franose Jean-Luc Guionnet im Teatro Tetrix mit den beiden Schweizern Frantz Loriot (Viola) und Gaudenz Badrutt (Elektronik) ins subkutan brodelnde Getümmel. Der andernorts außerordentlich physisch bzw. muskulös agierende Altsaxofonist reduziert sich in dieser Kooperation auf wenige, still vor sich hingeblasene Kürzel und auf lang anhaltende Klangbotschaften. Loriot bratscht zart und dennoch auf den Punkt, Badrutt grundiert die Entschleunigung häufig mit weit unten angesiedelten Drones. In den besten Momenten, und derer gibt es an diesem Abend en masse, klingen die Sounds der drei wie Stimmen aus dem Jenseits, die ihr Leben bilanzieren und miteinander vergleichen. Das könnte von mir aus noch stundenlang so weitergehen, muss aber aus gewöhnlichen Gründen nach nicht einmal einer Stunde enden. Schade aber magnifique!
